Die Rhetorik der Erzählkunst

Wayne C. Booth · 1961 · Sachbuch, Literaturwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Die Rhetorik der Erzählkunst
Autor(en): Wayne C. Booth
Originaltitel: The Rhetoric of Fiction
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1961
Schlagwörter: Erzähler, Distanz, Ironie, Leser
Sachgebiete: Sachbuch, Literaturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
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Umfang dieser Ausgabe: 552 Seiten
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Verweise


Die Rhetorik der Erzählkunst (englisch The Rhetoric of Fiction) ist das 1961 erschienene Buch von Wayne C. Booth über den Erzähler als Instanz, die den Leser führt, täuscht oder im Stich lässt. Unzuverlässiges Erzählen bekam hier den Namen, den die Seminarprotokolle noch tragen.

Inhalt

Booth bestreitet, dass die moderne Fiktion den Autor abgeschafft habe. Hinter der Stimme, die spricht, steht ein impliziter Autor, den der Text erzeugt – eine Haltung, eine Moral der Darstellung, auch wo niemand predigen will. Distanz, Ironie, die Zuverlässigkeit dessen, der berichtet: Der Leser wird überredet, zu sehen, zu urteilen, zu zweifeln. James, Austen, Joyce, der allwissende Erzähler des neunzehnten Jahrhunderts und der beschränkte des zwanzigsten: Dieselben Probleme, andere Techniken. Rhetorik ist hier nicht Schmuck. Sie ist die Beziehung, in der ein Text einen Leser hält.

Das unzuverlässige Erzählen ist der berühmteste Begriff und nicht das ganze Buch. Unzuverlässig ist, wer dem impliziten Autor widerspricht, nicht wer irrt. Die Unterscheidung rettet Ironie vor der Beliebigkeit, in der jede Stimme nur Perspektive wäre. Gérard Genettes Die Erzählung wird Stimme und Fokalisation schärfer trennen; Booth fragt, wozu die Stimme gut ist – für welche Gemeinschaft von Urteilen. Der Ton ist der der Chicagoer Rhetorik: klar, moralisch, mit Beispielen, die man nachlesen kann. Wer nur die Vokabel sucht, unterschlägt die Ethik. Wer nur den Humanisten meint, unterschlägt das Handwerk der Distanz.

Unsicher bleibt, ob der implizite Autor eine notwendige Instanz ist oder ein Gespenst der Moral. Die spätere Theorie hat den Autor weiter zerstreut; Booth hat in späteren Büchern nachgelegt, ohne die Rhetorik von 1961 preiszugeben. Die Gefahr ist die Zähmung der Fiktion zur guten Gesellschaft. Die Leistung ist, dass nach diesem Buch niemand mehr „Erzählen“ sagt, als wäre niemand da, der uns etwas will.

Einordnung

Booth hat der Erzähltheorie die Rhetorik der Stimme gegeben und dem unzuverlässigen Erzähler den Begriff. Fryes Anatomie ordnet Mythen; Genette ordnet Zeit und Modus; Booth ordnet das Verhältnis zum Leser. Wer nach 1961 unzuverlässig erzählen sagt, spricht Booth – auch dort, wo er den impliziten Autor nicht mehr braucht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.