Die Regeln der soziologischen Methode

Émile Durkheim · 1895 · Sachbuch, Soziologie


Das Werk
Deutscher Titel: Die Regeln der soziologischen Methode
Autor(en): Émile Durkheim
Originaltitel: Les règles de la méthode sociologique
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1895
Schlagwörter: Tatsache, Zwang, Erklärung, Vergleich
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 256 Seiten
ISBN: 9783518280645
Verweise


Die Regeln der soziologischen Methode (französisch Les règles de la méthode sociologique) ist die 1895 erschienene methodologische Schrift von Émile Durkheim. Sie will die Soziologie als eigenständige Wissenschaft begründen, indem sie den sozialen Tatbestand als Ding behandelt: äußerlich, allgemein, mit Zwang. René König hat die deutsche Ausgabe eingeleitet und den Text neben Descartes’ Discours gestellt: ohne Durkheim komme man in die Soziologie nicht hinein. Die Schrift steht zwischen der Dissertation über die Arbeitsteilung und der Untersuchung Der Selbstmord, die die Methode an Zahlen prüft.

Inhalt

Durkheim schreibt gegen zwei Weisen, Gesellschaft zu erklären: gegen die Psychologie, die das Soziale aus Vorstellungen der Einzelnen addiert, und gegen den Utilitarismus, namentlich Herbert Spencer, der den Zusammenhang aus Verträgen und Nutzen ableitet. Soziale Tatsachen sind keine Nebenerscheinung des Zusammenlebens; sie existieren unabhängig von denen, die sie hervorbringen, und wirken von oben auf sie ein. Drei Kriterien markieren sie: sie gelten allgemein für die, die in der Struktur handeln; sie werden als äußerlich erlebt, nicht als Summe eigener Einfälle; sie üben Zwang aus, dessen Verletzung Sanktion nach sich zieht, oft ohne dass die Handelnden die Regel kennen. Das Kollektivbewusstsein – die gemeinsamen Überzeugungen und Gefühle – hat ein eigenes Leben; die Individuen vergehen, es bleibt.

Erklären heißt zweierlei, und beides ist nötig: die Funktion, die Wirkung einer Tatsache, und ihre Entstehung in der Geschichte. Wer die Schichtung der Gesellschaft nur damit begründet, dass man Positionen verschieden entlohnt, um sie attraktiv zu machen, sieht die Wirkung und nicht die Herkunft. Abweichung macht den Zwang messbar: wo das Kollektivbewusstsein die Ordnung nicht mehr hält, spricht Durkheim von Anomie, dem Übergang vom Normalzustand in den krankhaften. Im sechsten Kapitel prüft er die vergleichende Methode als die einzige, die der Soziologie entspricht. Residuen, Konkordanz und Differenz scheiden aus, weil soziale Erscheinungen zu komplex sind; die parallelen Variationen bleiben das Werkzeug. Man vergleicht Gesellschaften, nicht Innerlichkeiten.

Die Härte der Regeln ist auch ihre Grenze. Soziale Tatsachen als Dinge zu behandeln, befreit von der Einfühlung und droht, den Sinn zu streichen, den Handelnde mit ihrem Tun verbinden. Durkheim weiß, dass der Zwang oft unsichtbar bleibt und nur an der Sanktion abgelesen wird; die Pathologie der Anomie setzt einen Normalzustand voraus, den die spätere Soziologie als Werturteil verdächtigt hat. Die Schrift ist Programm, nicht Untersuchung; Der Selbstmord muss zeigen, ob die Regeln tragen. Der Ton ist gesetzgeberisch, klar, von der Zuversicht einer jungen Disziplin, die sich den Gegenstand erst nimmt. König hat recht und unrecht: man kommt ohne diese Regeln in die Soziologie nicht hinein, und man kommt mit ihnen allein nicht durch.

Einordnung

Damit ist die Soziologie als Fach aufgetreten, nicht als Moral und nicht als angewandte Psychologie. Neben Der Selbstmord und den elementaren Formen des religiösen Lebens sind die Regeln das Methodenbuch: dort Bindung messen und Bindung im Heiligen gründen, hier die Erlaubnis, Soziales nur durch Soziales zu erklären. Max Weber setzte dagegen den sinnverstehenden Zugang; die Spannung von Ding und Sinn hat das Fach nicht verlassen. Die Kritik hat Emergenz und Zwang als Überbestimmung gelesen und die vergleichende Methode behalten.

Wer nach 1895 eine gesellschaftliche Erscheinung aus Motiven der Beteiligten allein erklärt, hat Durkheim gegen sich, auch wo er recht hat. Die Suhrkamp-Ausgabe mit Königs Einleitung hat den Text im deutschen Unterricht festgesetzt. Geblieben ist der Mut, die Gesellschaft als Wirklichkeit eigenen Rechts zu behandeln – und die Pflicht, Funktion und Geschichte zusammenzunehmen, bevor man sie als Natur ausgibt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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