Die Natur

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Natur
Autor(en): Georg Christoph Tobler
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Beck
Serie: Hamburger Ausgabe
Erscheinungsjahr: 1783
Seitenanzahl: 6 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 340608413X
ISBN-13/

EAN-Code:

9783406084133
Schlagwörter: Natur, Pantheismus, Fragment, Goethezeit
Sachgebiete: Sachbuch, Essay
Rezensionen
Umschlag

Die Natur ist das um 1782 entstandene, 1784 im zweiunddreißigsten Stück des Tiefurter Journals gedruckte Fragment, das lange Johann Wolfgang Goethe zugeschrieben wurde und vermutlich von Georg Christoph Tobler stammt. Goethe strich am Manuskript einen Satz und erkannte später die Handschrift eines Schreibers aus den achtziger Jahren, ohne sich an die Abfassung erinnern zu können; die Gedanken stimmten zu der Stufe, die er einen Komparativ auf dem Weg zu einem noch nicht erreichten Superlativ nannte. Der Text ist hymnischer Pantheismus in Prosa: die Natur umfängt uns, ohne sich zu verraten. Die Hamburger Ausgabe versammelt ihn unter den naturwissenschaftlichen Schriften Goethes, dessen Name am Fragment haften blieb.

Inhalt

Das Fragment schreibt gegen die Vorstellung, der Mensch trete aus der Natur heraus oder herrsche über sie wie über ein Werkzeug. „Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hineinzukommen.“ Sie nimmt uns ungebeten in den Kreislauf ihres Tanzes und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet ihrem Arm entfallen. Sie schafft ewig neue Gestalten; was da ist, war noch nie, was war, kommt nicht wieder – alles neu und doch das Alte. Wir leben mitten in ihr und sind ihr fremd. Sie spricht unaufhörlich mit uns und verrät ihr Geheimnis nicht. Wir wirken beständig auf sie und haben keine Gewalt über sie. Das ist keine Physik und keine Idylle, sondern eine Erfahrung der Eingeschlossenheit.

Goethe strich den Satz, auch das Unnatürlichste sei Natur, auch die plumpste Philisterei habe etwas von ihrem Genius; wer sie nicht allenthalben sehe, sehe sie nirgendwo recht. Die Streichung schärft das Pathos und nimmt die Pointe gegen den Spießer heraus. Was bleibt, ist ein Wesen, das Goethe später unerforschlich, unbedingt, humoristisch und sich selbst widersprechend nannte: ein Spiel, dem es bitterer Ernst ist. Die Natur des Fragments hat kein Jenseits und keinen Uhrmacher; sie ist Kreislauf, Tanz, Stimme ohne Schlüssel. Tobler, Schweizer Theologe und Übersetzer, der im Weimarer Kreis um Anna Amalia verkehrte, schreibt in einer Sprache, die Goethes Hymnen und dessen damalige Naturansicht so nahkommt, dass die Verwechslung jahrhundertelang trug.

Unsicher wird das Stück an der Urheberschaft und an seiner Kürze. Es ist kein Buch, sondern ein Journalbeitrag, der wie ein Werk gelesen wurde, weil Goethes Name ihn adelte. Die Forschung – Holger Dainat, Veit Noll – hat die Zuschreibung verschoben, ohne den Text aus dem Goethekreis zu lösen. Eine englische Übertragung eröffnete 1869 das erste Heft der Zeitschrift Nature; so wanderte das Fragment in die Naturforschung des neunzehnten Jahrhunderts, als Motto mehr denn als Argument. Der Ton ist hymnisch, parataktisch, näher dem Gedicht als der Abhandlung. Die Stimmung trägt eine These: Machtlosigkeit und Teilhabe sind dasselbe Verhältnis zur Natur, nicht zwei Lesearten.

Einordnung

Das Fragment steht am Rand von Goethes Naturforschung und im Kern des Weimarer Pantheismus der frühen achtziger Jahre, neben der Lektüre des Baruch de Spinoza und gegen eine Mechanik, die die Natur zum Uhrwerk macht. Ralph Waldo Emersons späterer Essay Nature ist ein anderes Buch; die deutsche Wikipedia-Seite dieses Lemmas meint Toblers Text, nicht den Neuengländer. In Goethes Brief an Kanzler von Müller wird das Stück zur Stufe einer Einsicht, nicht zum Lehrsatz. Die Hamburger Ausgabe bewahrt es im Umkreis der naturwissenschaftlichen Schriften, wo es als Auftakt oder als Fremdkörper gelesen werden kann.

Geblieben sind die Anfangssätze vom Umschlungensein, die zitiert werden, als wären sie Goethe, und es in einem geistigen Sinn auch sind. Wer nach 1784 über Natur als umfassendes, sich entziehendes Wesen spricht, spricht hinter diesem Journalblatt. Die Verwechslung der Namen gehört zur Wirkungsgeschichte, nicht zur Fußnote. Toblers Stimme und Goethes Kreis haben denselben Satz erzeugt; die Enzyklopädie muss beides nennen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.