Die Lust am Kind
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Lust am Kind |
| Autor(en): | Rüdiger Lautmann |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Klein |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1994 |
| Seitenanzahl: | 280 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3895210153 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783895210150 |
| Schlagwörter: | Sexualforschung, Dunkelfeld, Soziologie, Kinderschutz |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Rezensionen | |
Die Lust am Kind. Portrait des Pädophilen ist die 1994 im Hamburger Verlag Klein erschienene Studie des Soziologen und Kriminologen Rüdiger Lautmann. Ihr liegen Leitfadenbefragungen von sechzig Männern zugrunde, die sich selbst als pädophil bezeichneten und nicht als Verurteilte oder Therapiepatienten gewonnen wurden – eine sogenannte Dunkelfelderhebung, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von Eberhard Schorsch unterstützt. Lautmann wollte eine Gruppe beschreiben, die die ältere Forschung nur aus Gerichtsakten kannte. Das Buch ist vergriffen; der Verfasser hat auf eine Neuauflage verzichtet. Es zählt als umstrittenes Dokument der Sexualforschung der neunziger Jahre, nicht als Anleitung.
Inhalt
Lautmann schreibt gegen Untersuchungen, deren Stichprobe allein aus angezeigten Tätern oder aus der Psychiatrie stammt. Solche Gruppen seien zu uneinheitlich, um das zu fassen, was er die »echte« Pädophilie nennt: ein überdauerndes sexuelles Interesse an vorpubertären Kindern, verbunden mit dem Wunsch nach sozialem Kontakt, abzugrenzen von Inzest und von Missbrauch aus Gelegenheit. Nur ein kleiner Teil der sexuell übergriffigen Männer sei in diesem engen Sinn pädophil; allein von ihnen handle das Buch. Die sechzig Befragten werden in langen Originalzitaten vorgeführt. Lautmann enthält sich der Bewertung und fragt, wie ein Begehren möglich sei, das ihm selbst unbegreiflich bleibe. Die Studie ist Täterforschung: sie blickt auf die Männer, nicht auf die Kinder.
Was die Befragten berichten, gibt das Buch als ihre Sicht wieder. Lautmann zeichnet Strategien, mit denen die Männer Einvernehmen mit dem Kind behaupten, und behandelt diese Aussagen als soziologisches Material, nicht als Wahrheit über das Kind. Genau hier setzt die fachliche Kritik ein. Die Sexualwissenschaftlerin Sophinette Becker hat festgehalten, dass Lautmann den Machtmissbrauch, der jedem solchen Handeln innewohnt, nicht eigens analysiert. Gerhard Amendt bestritt in einer öffentlichen Erörterung von 1997 den Unterschied zwischen »echten« Pädophilen und Missbrauchern; Gewaltfreiheit sei kein Maß für kulturelle Zulässigkeit, das Machtgefälle zugunsten des Erwachsenen sei unweigerlich gegeben. Susanne Achterberg hat später gezeigt, dass sich die ohnehin bestehende Herrschaft des Erwachsenen über das Kind in solchem Handeln verschärft. Volkmar Sigusch stellte Lautmanns Annahme eines auf Zustimmung gerichteten Vorgehens gegen die klinische Erfahrung, nach der zwischen der Sexualität des vorpubertären Kindes und der des erwachsenen Mannes ein Abgrund liegt.
Das Buch wird unsicher, wo Beschreibung in Schonung umschlägt. Lautmann hat später eingeräumt, unklare und saloppe Formulierungen hätten einen Teil der Empörung selbst erzeugt; das Buch sei zur Unzeit erschienen, nach der Planung in den achtziger Jahren und vor dem öffentlichen Schock des Falls Dutroux. Er hat bestritten, je die Abschaffung des Kinderschutzparagrafen gefordert zu haben, und auf eine Neuauflage verzichtet, weil sich der Band für die Debatte um die Sexualverhältnisse nicht als hilfreich erwiesen habe. Heinz-Jürgen Voß hat die Studie gleichwohl als zeitgeschichtlich verständliche Dunkelfeldforschung verteidigt und ihr zugute gehalten, die Trennung von Begehren und Übergriff für spätere Prävention geöffnet zu haben. Die Gegenposition bleibt die stärkere: ohne die Stimme der Kinder und ohne die Analyse der generationalen Herrschaft ist das Portrait einseitig. Der Ton ist der einer soziologischen Reportage, zitatenreich und zurückhaltend im Urteil – eine Zurückhaltung, die Gegner als Verharmlosung gelesen haben.
Einordnung
Das Buch steht in der deutschen Pädophilie-Debatte, die seit den siebziger Jahren Sexualforschung, Strafrecht und Teile der Emanzipationsbewegungen verflocht und sich seit den achtziger Jahren unter dem Eindruck der Frauenbewegung und des Kinderschutzes verschoben hat. 2013 geriet es erneut in die öffentliche Kritik, im Zusammenhang der Aufarbeitung bei den Grünen und bei Beratungsstellen. Medien nannten den Band täterfreundlich; Lautmann widersprach auf seiner Seite und in Leserbriefen. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat den weiteren Zusammenhang pädosexueller Netzwerke seither historisch vermessen.
Geblieben ist ein Quellenstück zur Wissenschaftsgeschichte, an dem sich ablesen lässt, wie eine Dunkelfeldstudie ohne Opferperspektive scheitert, auch wenn sie sich als bloße Beschreibung versteht. Die Geschichte jener Debatte kommt an diesem Buch nicht vorbei und darf es nicht nachahmen. Die Klein-Ausgabe ist vergriffen; der Streit um sie ist es nicht. Die nüchterne Lektüre hat den Vorzug, das Buch weder zu dämonisieren noch zu entlasten.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
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