Die Legitimität der Neuzeit

Hans Blumenberg · 1966 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Die Legitimität der Neuzeit
Autor(en): Hans Blumenberg


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1966
Schlagwörter: Neuzeit, Säkularisierung, Selbstbehauptung, Mythos
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 599 Seiten
ISBN: 9783518286036
Verweise


Die Legitimität der Neuzeit ist das 1966 erschienene Hauptwerk von Hans Blumenberg, der Einspruch gegen die Lehre, die Moderne sei nur Säkularisierung christlicher Gehalte, also illegitim und im Kern theologisch. Blumenberg setzt die Selbstbehauptung dagegen: Die Neuzeit antwortet auf Fragen, die das Mittelalter hinterließ, ohne dessen Antworten zu beerben. Das Buch ist Begriffsgeschichte als Philosophie der Epochen, Nachbar von Koselleck und Gegenposition zu Carl Schmitt und Karl Löwith.

Inhalt

Blumenberg prüft die Säkularisierungsthese an Fortschritt, Vorsehung, Erlösung. Wenn Fortschritt nur säkularisierte Heilsgeschichte wäre, wäre die Neuzeit ein Diebstahl am Christentum und könnte jederzeit zurückgefordert werden. Dagegen zeigt er Umbesetzungen: Nicht dieselben Stellen werden mit anderen Wörtern besetzt, sondern neue Fragen entstehen, wenn die alten Antworten die Weltlast nicht mehr tragen. Die theoretische Neugier, lange als Laster geführt, wird zur Tugend der Selbstbehauptung. Nominalismus, Unendlichkeit, die Unsicherheit der Heilsordnung erzeugen einen Druck, den die Neuzeit nicht erbt, sondern umarbeitet.

Das Buch ist weit, gelehrt, in der zweiten Fassung von 1974 noch einmal umgebaut. Blumenberg schreibt gegen die Politische Theologie, die Souveränität als säkularisiertes Gottesattribut liest, und gegen jede Herkunftslegende, die Moderne als Abfall erzählt. Die Metapher, später sein eigenes Organon, ist hier schon am Werk: Epochen sprechen in Bildern, die sich verschieben, ohne dass ein Kern gleich bleibt. Wer nur die Absage an Säkularisierung als Parole kennt, unterschlägt die Quellenarbeit an Gnosis, Scholastik, Aufklärung. Wer nur die Gelehrsamkeit kennt, unterschlägt die Pointe: Die Neuzeit darf sich selbst gehören.

Die Wirkung lag in der Philosophie und in der Historie, die Epochengrenzen setzen muss, ohne sie zu naturalisieren. Kosellecks Sattelzeit und Blumenbergs Schwellen sind verwandt und verschieden: hier Semantik politischer Wörter, dort Legitimität einer Epoche gegen den Vorwurf des Diebstahls. Die Kritik hat Blumenberg für zu apologetisch gegenüber der Moderne, zu wenig politisch, zu essayistisch gehalten. Geblieben ist das Verbot, Neuzeit als bloße Säkularisierung abzutun.

Einordnung

Blumenberg hat der Begriffsgeschichte die Epoche gegeben, die Koselleck an Wörtern maß. Neben Vergangene Zukunft und Wahrheit und Methode steht die Legitimität als der philosophische Einspruch, dass Herkunft nicht Schuld ist. Die Theologie hat das Buch als Entlastung oder als Anmaßung gelesen. Wer nach 1966 über Moderne spricht, als wäre sie nur verweltlichtes Christentum, spricht hinter diesem Band – auch wo er ihm widerspricht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.