Die Hamletmaschine

Heiner Müller · 1977 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Die Hamletmaschine
Autor(en): Heiner Müller
Originaltitel: Die Hamletmaschine
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1977
Schlagwörter: Hamlet, Trümmer, DDR, Ophelia
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 16 Seiten
ISBN: 9783518408964
Verweise


Die Hamletmaschine ist ein Text von Heiner Müller, 1977 geschrieben, ein Jahr später gedruckt, ein Shakespeare-Wrack in fünf Teilen, das den Prinzen, die DDR und Europa als dieselbe Ruine denkt. Hamlet legt die Trauer ab; übrig bleibt die Maschine, die ihn gesprochen hat.

Inhalt

Der erste Teil spricht im Palast, der schon Trümmer ist: »Ich war Hamlet.« Der Prinz ist gewesen, der Geist des Vaters ein Staatsbegräbnis, die Mutter eine Hure der Restauration, Dänemark ein Land, in dem die Toten schneller kommen als die Erben. Müller zitiert Hamlet, ohne ihn zu spielen: Bruchstücke, Aufzählungen, der Ekel vor der Trauer, die eine Ordnung stützt. Der Palast könnte Elsinore sein oder der Palast der Republik; die Lage ist dieselbe. Hamlet will die Leiche nicht mehr rächen, weil die Rache den Staat fortsetzt, der die Leiche gebraucht hat.

Im zweiten Teil spricht Europa als Frau, Ophelia, die nicht ertrinkt, sondern die Toten gebiert. Der dritte Teil ist ein Scherzo im Hörsaal der Toten: Marx, Lenin, Mao als Frauen, eine Universität, in der die Lehre zur Farce geworden ist. Der vierte Teil, der längste, fällt nach Budapest 1956: Pest in Buda, Schlacht um Grönland, Hamlet als Schauspieler, der sich demontiert, den Anzug ablegt, die Rolle verweigert, während Fotografien der Väter des Sozialismus an der Wand hängen. Müller schreibt die Niederschlagung des Aufstands in denselben Satz wie die Weigerung, noch einmal Hamlet zu sein. Der Intellektuelle in der DDR erkennt sich und tritt zurück, ohne zu siegen.

Der fünfte Teil gibt Ophelia das letzte Wort: im Rollstuhl, im Tiefsee, als Elektra, die Hamlet nicht mehr braucht. Sie redet die Flüsse an, die Männer, die sie zur Leiche gemacht haben, und bleibt, während Hamlet schon Maschine war. Das Stück ist kurz und unaufführbar im alten Sinn: keine durchgehaltene Figur, keine Lösung, keine Dänemarkkarte. Müller hat Shakespeare zerlegt, damit die deutsche Gegenwart nicht als Kostüm durchgeht. Wer eine Hamlet-Inszenierung sucht, findet Schrott; wer den Schrott liest, findet die DDR und das, was von Europa nach den Panzern übrig war.

Einordnung

Müller hat Hamlet nicht kommentiert, sondern zerlegt: Der Trauerspielprinz wird zur Maschine, sobald Geschichte ihn als Rolle verbraucht. Gegen Brechts Lehrstück, das eine Haltung vorrechnen will, steht hier die Montage, die keine Haltung mehr glaubt. Die Westbühnen haben den Text als Montage-Schock gegeben, oft ohne Budapest; die DDR hat ihn lange nicht gespielt. Wer nach 1977 Shakespeare auf die deutsche Bühne bringt, ohne den Palast als Ruine zu denken, spielt hinter der Hamletmaschine. Wer nur die Ruine will, hat Ophelia im fünften Teil nicht gehört.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Theater (Randbezug)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.