Die Eleganz des Igels
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Eleganz des Igels |
| Autor(en): | Muriel Barbery |
| Originaltitel: | L'Élégance du hérisson |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 2006 |
| Schlagwörter: | Concierge, Paris, Schönheit, Verstellung |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | dtv
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| Umfang dieser Ausgabe: | 363 Seiten |
| ISBN: | 9783423138147 |
| Verweise | |
Die Eleganz des Igels ist der Roman von Muriel Barbery, 2006 auf Französisch erschienen, 2008 auf Deutsch bei dtv in der Übersetzung von Gabriela Zehnder. Der Titel nennt keine Zoologie, sondern eine Haltung: stachelig nach außen, inwendig empfindlich und genau. Barbery, selbst Philosophin, hat aus einem Pariser Mietshaus in der Rue de Grenelle zwei Stimmen gemacht, die sich lange nicht kennen und doch dasselbe verbergen. Der Band wurde in Frankreich ein unerwarteter Verkaufserfolg und hat Lesern den Conciergeladen als Denkraum geöffnet. Schönheit, Klasse und die Angst vor dem Entdecktwerden sind sein Thema, nicht die Versöhnung der Stände als Programm.
Inhalt
Renée Michel ist vierundfünfzig, klein, nach eigenem Urteil hässlich, Witwe und seit siebenundzwanzig Jahren Concierge des vornehmen Hauses. Sie spielt die Rolle, die man von ihr erwartet: Fernsehen, Eintopf, kein Interesse an den Büchern der Bewohner. In Wahrheit liest sie Tolstoi, hört Musik, denkt über Husserl nach und hält Katzen. Die Verstellung ist ihr Schutz. Wer unten an der Tür sitzt, soll dumm erscheinen, sonst wird die Ordnung des Hauses unruhig. Paloma Josse ist zwölf, Tochter einer wohlhabenden Familie in eben diesem Palais, altklug und entschlossen, an ihrem dreizehnten Geburtstag aus dem Leben zu gehen, weil sie die Leere der Erwachsenen für endgültig hält. Sie führt ein Tagebuch der Bewegung und ein Tagebuch der Gedanken, beobachtet die Nachbarn mit einer Schärfe, die Kinder selten zugestanden wird, und sucht nach einem Grund, die Absicht aufzuschieben.
Die Bewohner des Hauses liefern den Stoff: Eitelkeit, Erbschaften, Hunde, die man nicht liebt, Gespräche, in denen Bildung als Möbel dient. Renée und Paloma erzählen abwechselnd, ohne voneinander zu wissen, dass die andere ebenfalls ein Doppelleben führt. Dann zieht Kakuro Ozu ein, ein japanischer Herr, der Renée nicht für die Concierge hält, die sie spielt. Er erkennt die Leserin, lädt sie ein, spricht über Film und Tee, und die Tarnung beginnt zu reißen. Paloma entdeckt in Renée die Eleganz, die der Titel meint: nicht Glätte, sondern die Würde dessen, der genau hinsieht und sich nicht wichtig macht. Die Freundschaft der drei ist keine rührende Begegnung über Klassengrenzen, sondern die Feststellung, dass zwei Außenseiter und ein Ankömmling dieselbe Sprache der Aufmerksamkeit sprechen.
Renée tritt aus der Rolle, so weit sie kann. Sie isst in einem Restaurant, trägt ein Kleid, lässt zu, dass man sie sieht. Der Roman belohnt das nicht mit einem langen Glück. Ein Unfall, plötzlich und ohne metaphysischen Trost, nimmt Renée das Leben, das sie gerade zu zeigen begonnen hat. Paloma, die den Tod der Concierge erlebt, gibt den Plan auf, sich umzubringen. Die Schönheit, die sie gesucht hat, war nicht in den Mangas und nicht in der Philosophie allein, sondern in einer Frau, die unten an der Tür saß und Tolstoi las. Der Schluss ist traurig und hell zugleich: Das Haus bleibt das Haus, Paloma bleibt zwölf, und die Eleganz ist sterblich.
Einordnung
Barbery hat einen Roman geschrieben, der in Frankreich als seltenes Ereignis galt: philosophisch ohne Lehrstuhlton, sozial ohne Anklage als einziges Register. Die Kritik war geteilt. Die einen rühmten Witz und Wärme, die anderen fanden Paloma zu gescheit und Renée zu sehr die gute Seele im Dienstbotentrakt. Beides ist im Text angelegt. Die Concierge, die Tolstoi liest, ist eine Figur der Sehnsucht nach einer Bildung, die nicht erbt, sondern sich stiehlt; das Kind, das den Selbstmord plant, ist eine Figur der Verachtung, die das Buch zugleich korrigiert. Gegenüber den großen Pariser Gesellschaftsromanen bleibt der Schauplatz ein einziges Treppenhaus. Das genügt, weil Klasse hier an der Türklingel hört.
Die Verfilmung von 2009 mit Josiane Balasko hat Renée ins Kino gebracht und viel vom Haus erhalten. Die Innensicht zweier Erzählerinnen bleibt dem Buch. Wer den Band für eine Hymne auf die schöne Seele im einfachen Stand hält, hat den Stachel überlesen: Renée hasst die Rolle, die man ihr zuteilt, und spielt sie trotzdem, weil Sichtbarkeit gefährlich ist. Paloma lernt nicht, dass die Reichen auch Menschen sind. Sie lernt, dass unten jemand wohnt, der genauer sieht als die Eltern. Das ist weniger versöhnlich, als der Erfolg des Buches vermuten lässt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
