Die Dummheit in der Malerei
| Daten zum Buch | |
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| Deutscher Titel: | Die Dummheit in der Malerei |
| Autor(en): | Hans Platschek |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | suhrkamp taschenbuch |
| Erscheinungsjahr: | 1984 |
| Seitenanzahl: | 172 Seiten |
| Originaltitel: | Die Dummheit in der Malerei |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 351837639X |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518376393 |
| Schlagwörter: | Malerei, Geschmack, Markt, Moderne |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Kunstgeschichte |
| Rezensionen | |
Die Dummheit in der Malerei ist die kunstkritische Essayfolge von Hans Platschek, die 1984 bei Suhrkamp unter dem Titel Über die Dummheit in der Malerei erschien und 1998 bei der Europäischen Verlagsanstalt den kürzeren Namen erhielt. Die Texte entstanden zwischen 1966 und 1984. Platschek, selbst Maler, schreibt nicht als Historiker der Stile, sondern als jemand, der den Kunstbetrieb von innen kennt und den Satz vom gesunden Volksempfinden ebenso misstraut wie der Weihe des Marktes. Die Sammlung gilt als eine der schärfsten deutschen Abrechnungen mit dem Nachkriegsgeschmack. Lothar Romain hat im Vorwort der späteren Ausgabe die Gefahr von zwei Seiten beschrieben: kleinbürgerliche Maßstäbe und die Mystifikation der Eingeweihten.
Inhalt
Platschek schreibt gegen zwei Arten, Bilder zu verderben: gegen den kleinbürgerlichen Geschmack, der die Moderne als unsittlich verwirft, und gegen die Kunstkritik, die Alltagsdinge zu Reliquien erhebt, sobald ein Name sie deckt. Den Anfang macht die Kunst des Nationalsozialismus. In den Amtsstuben hingen keine gemalten Hitlerbildnisse, sondern die Fotografie von Heinrich Hoffmann; die Physiognomie des Diktators, sagt Platschek, war für die Malerei zu mittelmäßig. Die Ursprünge dieser Kunst liegen nicht in einer großen Lehre, sondern im Geschmack zweitklassiger süddeutscher Landschafts- und Genremaler des neunzehnten Jahrhunderts. Von dort stammt auch das Wort Entartung, das Max Nordau 1893 in Umlauf brachte, lange bevor es zur Waffe der Reichsausstellungen wurde. Dummheit in der Malerei ist hier keine Unfähigkeit des Pinsels, sondern ein Wille, das Bild auf Wiedererkennen und Anstand zu verpflichten.
Die Behauptung entfaltet sich an Beispielen der Nachkriegszeit. Die anfängliche Ablehnung der Moderne in Deutschland, die Erich Kästner geißelte, kam oft von jungen Leuten, von Schülern und Studenten; Kästner hatte recht und konnte doch nicht ahnen, dass der Geschmack später ins Gegenteil umschlagen würde. Über Joseph Beuys schreibt Platschek, dass wertlose Gebrauchsgegenstände am Markt zu teuren Gegenständen werden, deren Wert einer quasireligiösen Verehrung des Künstlers entspringt. Die Wesensfrage bleibt, ob der Künstler die Warenwelt kritisieren oder den Gegenstand zur Kunst erhöhen will. Am sozialistischen Maler Hans Baluschek erscheint das Dilemma der linken Theorie: die künstlerische Vorhut und ein an Kitsch gewöhntes Proletariat fallen auseinander. Die Bilder des Schimpansen Congo, dem man Pinsel und Farbe gegeben hat, dienen Platschek als Probe, ob die moderne Malerei sich durch solche Vergleiche relativieren lässt. Sie tut es nicht, aber die Frage trifft den Kult der Ursprünglichkeit.
Unsicher wird das Buch, wo der Spott die Unterscheidung zwischen schlechter Malerei und unbequemer Moderne zu verwischen droht. Platschek beruft sich am Schluss auf Robert Musil, der mehrere Arten der Dummheit unterschied und die der Halbgebildeten für die schlimmste hielt. Das ist eine Moral, keine Ikonographie. Gegner haben den Ton als bissig und parteilich gelesen; Freunde als Rettung des Blicks vor Phrase und Inserat. Der Essay bleibt ein Malerbuch: er kennt die Werkstatt und den Markt, nicht nur das Museum. Die Gegenposition, dass der Markt auch Sichtbarkeit schafft und Beuys die Ware nicht bloß geweiht, sondern den Begriff des Werks verschoben hat, kommt nur als Zielscheibe vor. Geblieben ist die Warnung, dass Dummheit in der Malerei nicht das Gegenteil von Bildung ist, sondern oft deren Kostüm.
Einordnung
Platschek steht in der deutschen Kunstkritik neben den Feuilletons, die nach 1945 die Moderne nachholten, und gegen sie. Er hat weder die restaurative Heimatmalerei noch den Kult der Vorhut geschont. Die Nachbarschaft ist Nordaus Entartungslehre, die er historisch zurückliest, und die Marktsoziologie, die das Werk zur Ware macht, ohne den Pinsel zu kennen. Hans Beltings Bild und Kult fragt nach der Macht des Bildes im Glauben; Platschek fragt nach der Dummheit des Geschmacks im Frieden. Beide misstrauen der reinen Stilgeschichte.
Die Aufnahme war anregend und begrenzt. Berliner LeseZeichen lobte die Bereitschaft, auch etablierte Namen zu zerpflücken. Eine Schule hat das Buch nicht gegründet; es bleibt ein Essayistenbuch, das man zitiert, wenn der Kunstmarkt sich selbst für Kritik hält. Wer nach 1984 über Beuys, über Entartung und über den kleinbürgerlichen Blick auf die Moderne spricht, spricht hinter diesen Seiten oder gegen sie. Die Suhrkamp-Ausgabe hat den polemischen Atem bewahrt; die spätere hat ihn unter dem kürzeren Titel festgesetzt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
