Die Brücke über die Drina

Ivo Andrić · 1945 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Die Brücke über die Drina
Autor(en): Ivo Andrić
Originaltitel: Na Drini ćuprija
Originalsprache: serbokroatisch
Erstveröffentlichung: 1945
Schlagwörter: Brücke, Višegrad, Osmanen, Jahrhundert
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: dtv


Umfang dieser Ausgabe: 384 Seiten
ISBN: 9783423142359
Verweise


Die Brücke über die Drina ist der 1945 erschienene Roman von Ivo Andrić, im Original Na Drini ćuprija. Vier Jahrhunderte lang steht in Višegrad eine Steinbrücke, die der Großwesir Mehmed Paša Sokolović, selbst als Knabe aus der Gegend geraubt, über den Fluss legen ließ; Andrić erzählt das Leben an ihren Pfeilern von der osmanischen Gründung bis zur Sprengung im Ersten Weltkrieg. Der Band ist kein Heldenroman und kein Nationalbuch einer einzigen Seite: Muslime, Christen, Juden, Österreicher und die Stadt selbst haben nacheinander recht und unrecht. 1961 erhielt Andrić den Nobelpreis; die Brücke war das Werk, auf das man sich dabei am ehesten einigte. Die deutsche Taschenbuchausgabe liegt bei dtv.

Inhalt

Im sechzehnten Jahrhundert zwingt der Großwesir den Bau: Stein über der Drina, eine Kapelle, ein Han. Der Legende nach wird der Rädelsführer der widerstrebenden Arbeiter, Radisav, gepfählt; Andrić schildert die Hinrichtung ohne Schauderromantik, als Gewalt, die eine Ordnung aufrichtet. Die Brücke wird zum Mittler zwischen Bosnien und Serbien, zwischen Ufer und Ufer, und zum Ort, an dem man handelt, klagt, sich stürzt. Fata aus einer begüterten Familie springet in den Fluss, statt den Mann zu heiraten, den man ihr bestimmt hat; ihr Sprung bleibt im Gedächtnis der Stadt wie ein Pfeiler. Generationen von Kaufleuten, Hohepriestern, Betrunkenen und Kindern nutzen denselben Belag.

Im neunzehnten Jahrhundert kommt die österreichische Verwaltung, die Eisenbahn, die Vorstellung, Zeit sei Fortschritt. Alihodža Mutevelić, Hüter der Brückentradition, misstraut den Neuen und erlebt, wie aus dem osmanischen Alltag ein Grenzland der Monarchie wird. Die Wirtin Lotte, eine Jüdin aus Galizien, führt ein Hotel am Brückenkopf und verkörpert die kurze, gesellige Epoche, in der die Stadt glaubt, Europa sei angekommen. Nationales Fieber steigt; Serben, Muslime, die okkupierende Macht misstrauen einander, während der Fluss derselbe bleibt. Andrić erzählt in Chronikform: Kapitel sind Jahre, Figuren treten auf und sterben, die Brücke bleibt die Hauptfigur, die nicht spricht.

1914, nach dem Attentat von Sarajevo, vermint die österreichische Armee die Brücke. Alihodža wird misshandelt, weil man in ihm den alten Glauben an den Stein sieht. Die Sprengung zerreißt den Bogen; der Roman endet im Rauch, nicht in der Versöhnung. Was Jahrhunderte verbunden hat, fällt in einer Nacht, und die Stadt steht an zwei Ufern, als hätte es den Großwesir nie gegeben. Andrić, der in Višegrad aufwuchs, hat keine Idylle der Vielvölkerbrücke geschrieben: Die Pfählung am Anfang und die Sprengung am Ende rahmen eine Geschichte, in der Zusammenleben Arbeit ist und Gewalt die schnellere Sprache.

Einordnung

Andrić hat den Chronikroman der langen Dauer geschrieben, ohne die Annalen trocken zu lassen: Jede Generation bekommt eine Novelle, die Brücke das Gedächtnis. Nach 1945 las man das Buch in Jugoslawien als Bild eines gemeinsamen Bodens; nach den Kriegen der neunziger Jahre las man dieselben Kapitel als Vorzeichen der Trennung. Beides steckt darin. Der Nobelpreis hat Andrić zum Klassiker der Weltliteratur gemacht und die politischen Streitigkeiten um seine Haltung nicht beendet; die Brücke trägt sie, weil sie niemandem allein gehört. Deutsch erschien der Roman in mehreren Anläufen; die dtv-Ausgabe ist die greifbare.

Gegenüber dem historischen Roman, der Schlachten und Herrscher zählt, bleibt Andrić beim Stein und beim Gerücht. Die Drina ist Grenze und Verbindung, je nachdem, wer am Ufer steht. Wer Bosnien nur aus Nachrichtentexten kennt, findet hier die Tiefe unter den Jahreszahlen: den Han, den Kinderraub für das Janitscharenkorps, den österreichischen Beamten, die Frau, die springt. Die Sprengung 1914 ist nicht das Ende der Stadt, aber das Ende der Illusion, Stein halte gegen den Krieg. Die angegebene Ausgabe zählt 384 Seiten.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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