Die Abenteuer des Werner Holt

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Abenteuer des Werner Holt
Autor(en): Dieter Noll
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Aufbau
Serie:
Erscheinungsjahr: 1960
Seitenanzahl: 544 Seiten
Originaltitel: Die Abenteuer des Werner Holt
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3746610435
ISBN-13/

EAN-Code:

9783746610436
Schlagwörter: Krieg, Jugend, Umkehr, DDR
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Die Abenteuer des Werner Holt ist der Entwicklungsroman von Dieter Noll, 1960 als Roman einer Jugend bei Aufbau erschienen, 1963 um den Roman einer Heimkehr ergänzt. Ein Gymnasiast zieht als Flakhelfer und Panzersoldat in den Krieg, den er für ein Abenteuer hält, und kommt als Kranker in die sowjetische Zone zurück, wo er das Abitur nachholt und keiner Fahne mehr traut. Der erste Band gehörte in der DDR zur Schullektüre und wurde 1965 mit Klaus-Peter Thiele verfilmt. Noll, selbst Jahrgang 1927, hat die eigene Generation geschrieben, ohne aus Holt einen Widerstandskämpfer zu machen: Die Umkehr kommt spät, blutig und ohne Trost.

Inhalt

Werner Holt und die Klassenkameraden Gilbert Wolzow, Sepp Gomulka, Christian Vetter, Fritz Zemtzki stehen vor dem Abitur und wollen, voller Begeisterung, zur Flak; nur Peter Wiese, dem die Musik näher ist als die Waffe, zögert. Holts Vater, Arzt und Chemiker, hat bei der IG Farben die Arbeit verloren, weil er kein Giftgas für die Tötung von Menschen entwickeln wollte; der Vater der angehimmelten Uta Barnim, ein Oberst, soll kapituliert haben und als Verräter erschossen worden sein. Holt und Wolzow, Sohn einer Offiziersfamilie ohne Gewissen, rächen ein von einem HJ-Führer geschwängertes Mädchen, das sich getötet hat, und halten das für Anstand. Als Flakhelfer sieht Holt ausgehungerte sowjetische Gefangene, denen er gegen den Befehl Brot zusteckt, und will die Wahrheit des Vaters über die Lager noch nicht hören. Ein Luftangriff auf Wattenscheid, ein sterbendes Kind in den Armen, der erste tote Mitschüler Zemtzki: Der Krieg verliert den Flitter. Der Wachtmeister Gottesknecht, im Zivil Gymnasiallehrer, sagt, wer sich zu den Einmann-Torpedos melde, drücke sich vor dem schwereren Kampf danach, Deutschland wieder aufzubauen.

Im Arbeitsdienst in der Slowakei erschlägt die Hausmeistertochter Milena einen Soldaten, der sie vergewaltigen will; Holt und Gomulka sollen Vater und Tochter bewachen, die die SS am nächsten Tag hinrichten will. In der Nacht der Partisanenangriffe lässt Holt sie laufen. In einer Sägemühle liegen von der SS verstümmelte Tote. Gomulka glaubt nun alles, was der intellektuelle Vater ihm gesagt hat; Holt fürchtet noch den Sieg der anderen Seite. Die Panzerausbildung stumpft ab. Gomulka läuft zur Roten Armee über; Holt folgt Wolzow an die Ostfront, sieht Trecks und KZ-Kolonnen, sieht, wie Wiese einen SS-Mann angreift, der einen zusammengebrochenen Häftling erschießt, und selbst erschossen wird. An der Westfront übernimmt Wolzow eine versprengte Einheit, erschießt sich ergebende Amerikaner und einen sechzehnjährigen Deutschen, der geflohen war. Holt begreift: Nicht das Schicksal schickt die Männer in den Tod, sondern Wolzow. Er entwaffnet ihn, lässt die Soldaten gehen, kehrt zurück, als ein SS-Trupp unter dem alten HJ-Führer Wolzow hängen will, erschießt die SS-Leute und gerät in amerikanische Gefangenschaft.

Entlassen, krank, sucht Holt Gundula Thieß, die Kommunistentochter, deren Eltern ermordet wurden, und findet sie beim Vater in der sowjetischen Zone. Der erste Band endet mit der Erschöpfung, nicht mit der Heilung. Der zweite Band, Roman einer Heimkehr, schickt den Zyniker durch Ost und West: Der Vater ist leitender Chemiker geworden, die Mutter will ihn in Hamburger Industriellenkreise ziehen, Vetter wird Schwarzmarkthändler und Mörder. Holt verachtet die Naivität junger Kommunisten ebenso wie die westdeutsche Bereitschaft zum nächsten Krieg. Am Ende holt er das Abitur dort nach, wo der Vater lebt, und sagt, er komme aus einem Irrtum und wolle in die Freiheit. Einen dritten Band hat Noll nicht geschrieben.

Einordnung

Noll hat den Umkehrroman der DDR geschrieben, bevor die Staatsliteratur ihn zur Schablone machte: Holt wird nicht bekehrt, er wird enttäuscht, und die Enttäuschung reicht in beide Zonen. Die Szenen der Flak, des Luftangriffs, der Sägemühle und der Panzersperre gehören zum Härtesten, was die deutsche Nachkriegsliteratur über die letzte Jugend des Krieges hat. Zugleich trägt das Buch die Sprache seiner Entstehung: Die Rote Armee erscheint als moralisch intakt, der Westen als Fortsetzung der Väter. Wer nur den Lehrplan kennt, unterschätzt die Wut auf Wolzow; wer nur die Wut kennt, unterschätzt, wie sehr Holt selbst mitgelaufen ist.

Joachim Kunerts Film von 1965 hat den ersten Band in Bilder gebracht, die in der DDR kanonisch wurden. Im Westen las man Noll lange als Parteiautor; das greift zu kurz, weil Holt am Ende keiner Partei traut. Aufbau hält den Jugendroman als Taschenbuch. Neben Heinrich Bölls Heimkehrern und Günter Grass’ früherem Lärm steht hier ein geraderer Satz: Ein Junge hat den Krieg für ein Abenteuer gehalten und muss lernen, dass die Abenteuer andere umgebracht haben. Die Freiheit, die Holt will, bleibt eine Richtung, kein Ort.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.