Dialektik der Natur

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Dialektik der Natur
Autor(en): Friedrich Engels
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Dietz Verlag
Serie: Marx-Engels-Werke 20
Erscheinungsjahr: 1925
Seitenanzahl: 266 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3320002201
ISBN-13/

EAN-Code:

9783320002206
Schlagwörter: Natur, Dialektik, Bewegung, Materie
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Dialektik der Natur ist das unvollendete naturphilosophische Werk von Friedrich Engels, entstanden in den 1870er und frühen 1880er Jahren neben und nach dem Anti-Dühring. Zu Lebzeiten erschien daraus fast nichts; zwei Aufsätze kamen nach seinem Tod in Zeitschriften heraus, die vollständige Ausgabe erst 1925 in der Sowjetunion, deutsch und russisch. Engels will die Grundzüge eines Materialismus darlegen, der die Naturwissenschaften gegen die ältere Naturphilosophie und gegen metaphysische Ideen in der Physik seiner Zeit in Schutz nimmt. Die deutsche Leseausgabe steht in den Marx-Engels-Werken, Band 20. Das Buch ist ein Konvolut aus Plänen, Notizen und ausgearbeiteten Kapiteln, kein geschlossenes System.

Inhalt

Engels schreibt gegen zwei Fronten: gegen eine Naturphilosophie, die der Empirie Gesetze vorschreibt, und gegen eine Naturwissenschaft, die ihre eigenen Begriffe – Kraft, Unendlichkeit, Zufall – unbesehen als letzte Wahrheiten nimmt. Die Natur ist ihm ein Zusammenhang von Bewegungsformen, die ineinander übergehen: Mechanik des Himmels, Physik der Moleküle, Chemie, Biologie. Die Unzerstörbarkeit der Bewegung, nicht die Trägheit, ist der Ausgang; was die Mechanik als Beharrung beschreibt, ist der negative Ausdruck derselben Unzerstörbarkeit. In der Physik verfolgt er die Umwandlung molekularer Bewegungen, in der Chemie die Theorien der Energie, in der Biologie Charles Darwins Abstammungslehre, die Notwendigkeit und Zufälligkeit neu verteilt. Das Mathematisch-Unendliche kommt in der Wirklichkeit vor, behauptet er, und die Dialektik ist kein Schema, das man über die Natur stülpt, sondern die Bewegungsform, die die Wissenschaften selbst zutage fördern, sobald sie ihre Grenzen überschreiten.

Die berühmtesten Stücke sind der Aufsatz über den Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen und die Polemik gegen die Naturforschung in der Geisterwelt. Arbeit, nicht das bloße Gehirn, macht den Menschen; die Hand und das Werkzeug formen den Schädel nach. Gegen Okkultismus und Tischrücken unter Physikern setzt Engels die Nüchternheit des Experiments. Helmholtz’ Begriff der Arbeit, Haeckels Darwinismus in der Gesellschaftslehre, Clausius und die Wärme: Engels liest die Fachdebatten als Belege dafür, dass starre Gegensätze – Zufall und Notwendigkeit, Anziehung und Abstoßung – ineinander umschlagen. Die Skizze des Gesamtplans bleibt ein Inhaltsverzeichnis der Wissenschaften seiner Zeit, kein Lehrbuch. Wo Marx im Kapital die gesellschaftliche Form der Arbeit analysiert, will Engels nachreichen, dass dieselbe Dialektik schon in der Natur waltet.

Unsicher wird das Buch, wo aus Analogien Gesetze werden. Die drei »Gesetze« der Dialektik – Umschlag von Quantität in Qualität, Durchdringung der Gegensätze, Negation der Negation – sind an chemischen Beispielen und an Darwins Artenwechsel illustriert, nicht gemessen. Engels weiß, dass er kein Laboratorium führt, und beharrt darauf, dass die Naturwissenschaft ihre metaphysischen Reste selbst abwirft, sobald sie historisch denkt. Die spätere parteiamtliche Lektüre hat aus dem Entwurf ein Weltgesetz gemacht und die Physik des zwanzigsten Jahrhunderts daran gemessen, oft zu deren Schaden. Engels’ eigener Ton ist der eines Autodidakten von Rang: neugierig, streitbar, unfertig. Der Text bricht ab, wo die Biologie in die Gesellschaft übergehen soll; die Brücke zur Ökonomie bleibt Behauptung.

Einordnung

Die Wirkung lag lange in der Dogmatik, nicht in der Physik. In der Sowjetunion und in der DDR wurde die Schrift zum Beleg, dass der Marxismus eine Naturphilosophie besitze; Abweichler galten als Idealisten. Die westliche Marx-Diskussion hat sie oft als Peinlichkeit behandelt, als Einbruch Engels’ in ein Gebiet, das Marx klugerweise den Fachleuten überlassen habe. Elmar Altvater hat das Buch später gegen die Wachstumsökonomie gelesen: als Warnung, die Natur als unerschöpflichen Stoffwechsel zu behandeln. Die Kapitel zur Arbeit und zur Abstammung gehören in die Vorgeschichte der Anthropologie, nicht in die der Quantenmechanik.

Neben dem Anti-Dühring und den Briefen an Marx ist dies Engels’ Versuch, den historischen Materialismus nach unten zu verlängern, in die Materie selbst. Die Spannung bleibt: Dieselbe Dialektik, die im Kapital gesellschaftliche Verhältnisse trifft, soll hier Atome und Arten treffen, ohne deren Eigenrecht zu löschen. Wer Engels nur als Herausgeber des zweiten und dritten Bandes des Kapitals kennt, verfehlt, dass er die Naturwissenschaften seiner Zeit ernst genommen hat, genauer als viele Philosophen, und unsicherer, als die Schulausgaben es wahrhaben wollten. Die Ausgabe von 1925 hat ein Fragment zum Kanon gemacht; lesbar bleibt es als Protokoll einer Selbstverständigung, nicht als Naturgesetzbuch.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.