Der zerbrochne Krug

Heinrich von Kleist · 1808 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Der zerbrochne Krug
Autor(en): Heinrich von Kleist


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1808
Schlagwörter: Richter, Lüge, Krug, Dorf
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 118 Seiten
ISBN: 9783150000915
Verweise


Der zerbrochne Krug ist das Lustspiel von Heinrich von Kleist, 1808 in Weimar unter Goethe uraufgeführt, 1811 gedruckt. Die Uraufführung fiel durch, weil Goethe das Stück in Akte schnitt und die Pointe zerdehnte; als einaktiges Gerichtsverfahren ist es seither die deutsche Komödie, in der der Richter über seine eigene Tat zu Gericht sitzt. Der Krug ist zerbrochen, die Wahrheit nicht, und beides kommt teuer.

Inhalt

In Huisum in den Niederlanden erwacht Dorfrichter Adam mit Beulen, ohne Perücke, von einem Hund gebissen, und soll trotzdem Recht sprechen. Der Schreiber Licht merkt mehr, als er sagt. Gerichtsrat Walter kommt zur Visitation: Das Verfahren soll ordentlich sein, die Akten sollen stimmen, der Dorfherr soll sich nicht zum Narren machen. Zur Verhandlung erscheint Frau Marthe Rull mit dem Scherben ihres Krugs, einem Stück Hausrat, auf dem die niederländische Geschichte gemalt war, und verlangt den Täter. Ihre Tochter Eve sollte Ruprecht heiraten, den Sohn des Bauern Veit Tümpel; in der Nacht war jemand im Zimmer, der Krug fiel, Ruprecht schlug nach einem Schatten. Adam, der die Sitzung leitet, hat alle Gründe, die Fragen wegzulenken: Er war der Schatten.

Die Verhandlung ist ein analytisches Spiel, das den Täter kennt und ihn doch suchen muss. Ruprecht beschuldigt einen Dritten, dann den Richter, ohne den Namen halten zu können. Eve schweigt, weil Adam ihr gedroht hat, Ruprecht werde als Soldat nach Ostindien geschickt, falls sie rede; ein Brief, den der Richter zu unterdrücken vorgab, war die Erpressung. Marthe will nur den Krug, Walter will das Recht, Licht will den Platz des Vorgängers. Adam verhört, unterbricht, belehrt und verstrickt sich in Ausreden, die immer genauer die Nacht beschreiben, in der er durch das Fenster zu Eve stieg, abgewiesen wurde und beim Sprung in die Holunder die Perücke und die Würde ließ. Das Dorf lacht, sobald es versteht; der Gerichtsrat lacht nicht.

Am Ende steht die Wahrheit im Protokoll. Adam flieht, der Krug bleibt Scherben, Eve darf sprechen und wird von Ruprecht wieder angenommen, Walter verspricht ein Gericht, das nicht in derselben Hand liegt wie die Tat. Die Komödie gibt den Liebenden den versöhnlichen Schluss und dem Amt die Blamage; sie heilt nicht die Ordnung, sie zeigt sie als Kostüm. Kleist hat den Ödipus ins Dorf versetzt: Nicht das Orakel führt zur Einsicht, das Verhör führt dorthin, und der Richter ist der Täter, weil das Amt die Gelegenheit war. Der zerbrochene Krug – Kleist schreibt zerbrochne – ist die Gerechtigkeit selbst, bemalt mit Heldentaten und nicht mehr dicht.

Einordnung

Kleist hat die Komödie zur Erkenntnisform gemacht: Lachen entsteht, weil das Verfahren die Wahrheit ausgräbt, die der Amtsträger vergraben hat. Neben Michael Kohlhaas steht der Krug als die heitere Probe auf dasselbe Thema – das Recht, das den Gerechten oder den Richter zerbricht; Kohlhaas zündet ein Land an, Adam nur seine Perücke, die Wut ist verwandt. Goethe hat die Weimarer Aufführung verfehlt und Kleist damit die Bühne verstellt; das 19. Jahrhundert holte das Lustspiel nach, oft als derbe Dorfposse. Penthesilea und Prinz Friedrich von Homburg zeigen denselben Autor ohne das Lachen: Gefühl gegen Gesetz, Fall gegen Amt. Die Schulkomödie hat das Lachen behalten; der Staat im Kleinen, der sich selbst verhört und davonläuft, ist die härtere Hälfte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.