Der abenteuerliche Simplicissimus

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der abenteuerliche Simplicissimus
Autor(en): Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Reclam
Serie:
Erscheinungsjahr: 1669
Seitenanzahl: 767 Seiten
Originaltitel: Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3150007615
ISBN-13/

EAN-Code:

9783150007617
Schlagwörter: Dreißigjähriger Krieg, Schelm, Überleben, Welt
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Der abenteuerliche Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen erschien 1668 und 1669, vorgeblich in Monpelgart, in Wahrheit in Nürnberg, als »Simplicissimus Teutsch«. Es ist der große deutsche Roman des Dreißigjährigen Kriegs, erzählt von einem Narren, der durch Plünderung, Soldatenleben, Liebe und Betrug zur Einsicht kommt und sie wieder verliert. Grimmelshausen, selbst im Krieg umhergetrieben, verbirgt sich hinter einem Herausgeber und einem Helden, der erst spät seinen Taufnamen erfährt. Der Schelmenroman aus Spanien erhält hier eine deutsche Erde: Spessart, Hanau, Westfalen, das geplünderte Land, auf dem niemand sicher ist.

Inhalt

Ein Junge wächst bei einem Knän und einer Meuder im Spessart auf, ohne zu wissen, dass er geraubt ist. Kroatische Reiter überfallen den Hof, foltern die Bauern, brennen. Der Knabe flieht zu einem Einsiedler im Wald, lernt lesen, beten und die Welt verachten. Der Einsiedler stirbt; der Junge gerät nach Hanau, wo ihn der Gubernator als Hofnarren hält, weil er so einfältig redet, dass die Wahrheit durchfällt. Man nennt ihn Simplicissimus. Er sieht den Krieg von der Tafel aus: Fressen, Saufen, Predigt und Galgen. Bei einem Überfall gerät er zu den Kaiserlichen, wird Soldat, Reiter, Beutemacher. In der Schlacht bei Wittstock und in den Magdeburger Wirren lernt er, dass Plündern das Handwerk aller Parteien ist.

Er begegnet dem Jäger von Soest, wird selbst ein gefürchteter Jäger, liebt und betrügt, gerät in Paris, wo man ihn als schönes Wild zeigt, und kehrt krank zurück. Olivier, ein mörderischer Kamerad, zieht ihn in Straßentaten; Simplicius tötet ihn in Notwehr. Er findet seine Herkunft: der Einsiedler war sein Vater, ein adeliger Offizier. Reichtum, zwei Ehen, Alchemie und Betrug folgen. Eine Reise zu den Pikardischen Inseln und ein Aufenthalt bei Mummelsee-Geistern mischen Wunder in den Krieg. Am Ende zieht er sich als Einsiedler in den Schwarzwald zurück, schreibt sein Leben und schließt mit der Weltverachtung, die der erste Klausner ihn gelehrt hatte – nachdem er die Welt gründlich ausgekostet hat.

Grimmelshausen lässt den Erzähler grob, witzig und gelehrt zugleich sprechen, mit Sprichwörtern, Predigtbrocken und Zoten. Die berühmte Schilderung des überfallenen Hofs am Anfang ist keine Staffage, sondern zeigt, was der Krieg mit Unbewaffneten macht. Dazwischen stehen Satiren auf Stände, Schreiber, Quacksalber und den Jupiter, der die Welt neu ordnen will. Der Roman hat Fortsetzungen, die Courasche, den Springinsfeld, das Wunderbarliche Vogelnest. Der Simplicissimus bleibt das Zentrum, weil der Narr vom Bauernsohn zum Einsiedler durch alle Ränge läuft und nirgends bleibt. Grobsinn und Gelehrsamkeit gehören zusammen: ohne die Zote wäre die Predigt leer, ohne den Krieg die Einsiedelei nur Pose.

Einordnung

Vor Goethe ist dies der deutsche Roman, der Europa kennt und das Reich in Trümmern. Der Schelm aus Spanien – Lazarillo, Guzmán – wird hier Zeuge eines Religionskriegs, der keine Sieger hinterlässt, nur Wechsel der Uniform. Die Barockmoral vom Vanitas sitzt am Schluss, die Fülle des Lebens in der Mitte; beides braucht der Text. Im achtzehnten Jahrhundert las man ihn als grob, im zwanzigsten als Kriegsbuch und Volksstück. Brecht und Grass haben die Spur aufgenommen; die Zeitschrift Simplicissimus borgte den Namen für eine andere Satire.

Reclam und Anaconda halten den langen Text greifbar; gekürzte Jugendfassungen streichen gerade die Grausamkeit, die das Buch begründet. Wer den Dreißigjährigen Krieg nur aus Schulkarten kennt, findet hier den Gestank, den Hunger und die Rede der Leute. Neben den höfischen Romanen der Zeit steht ein Erzähler, der den Hof als Narrenbühne kennt und den Wald als einzige Zuflucht. Das letzte Klausnerleben ist kein versöhnlicher Schluss: es ist die Einsicht, dass die Welt ein Narrenspiel bleibt, auch wenn man aussteigt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.