Der Tod des Artemio Cruz

Carlos Fuentes · 1962 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Tod des Artemio Cruz
Autor(en): Carlos Fuentes
Originaltitel: La muerte de Artemio Cruz
Originalsprache: spanisch
Erstveröffentlichung: 1962
Schlagwörter: Mexiko, Revolution, Sterben, Erinnerung
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 319 Seiten
ISBN: 9783518397305
Verweise


Der Tod des Artemio Cruz ist der 1962 erschienene Roman von Carlos Fuentes, in dem ein sterbender Tycoon die mexikanische Revolution als seine Biographie erzählt – und als Verrat. Artemio Cruz liegt 1959 in Mexiko-Stadt, angeschlossen an Schläuche, umgeben von Frau, Tochter, Sekretär und Priester, und das Bewusstsein zerfällt in drei Personen: ich, du, er. Aus diesem Zerfall setzt Fuentes das Leben zusammen: vom unehelichen Kind am Golf über den Soldaten der Revolution zum Zeitungsmagnaten, der Land, Stimmen und Frauen besitzt. Die deutsche Übersetzung von Christa Wegen erschien bei Suhrkamp. Der Roman ist kein Heldenlied auf 1910, sondern die Innengeschichte eines Mannes, der die Revolution überlebt hat, indem er sie verkaufte.

Inhalt

Artemio Cruz stirbt nicht auf einmal. Die Kapitel wechseln das Pronomen: Das »ich« keucht im Krankenzimmer, das »du« wird angeredet, als stünde das Leben noch bevor, das »er« berichtet, was gewesen ist. Aus den Sprüngen wird eine Chronologie sichtbar, die das Buch selbst verweigert. Cruz ist der Sohn einer Mulattin und eines Gutsbesitzers, aufgewachsen in Cocuya Veracruz. Er geht zur Revolution, kämpft unter den Generälen, gerät in Gefangenschaft. In der Zelle sitzt er mit dem jungen Gonzalo Bernal, einem Idealisten aus gutem Haus. Cruz überlebt, indem er den Freund nicht rettet; Gonzalo wird erschossen. Später heiratet Cruz dessen Schwester Catalina, nimmt das Land der Familie, macht aus der Mitgift ein Imperium. Catalina hasst ihn und bleibt. Die Ehe ist der Preis und die Beute.

Zwischen den Sterbeszenen stehen Stationen der Bereicherung: Zeitungen, die Meinungen herstellen; Geschäfte mit Amerikanern; ein Sohn, Lorenzo, der im Spanischen Bürgerkrieg fällt, weil der Vater ihn auf eine Idee von Ehre geschickt hat, die er selbst nicht mehr hat. Regina, die Geliebte der Revolutionsjahre, stirbt, während Cruz davonreitet. Lunero, der schwarze Aufseher der Kindheit, wird umgebracht, und das Kind Artemio lernt, dass Zugehörigkeit nichts schützt. Fuentes lässt Cruz nicht zum reuigen Greis werden. Selbst die Erinnerung an Liebe ist Besitzstand. Die Kirche will die Beichte; Cruz will das Bewusstsein nicht hergeben. Der Körper gehorcht nicht mehr, der Wille rechnet weiter.

Am Ende bleibt das Sterben ohne Transzendenz. Die Familie wartet auf das Testament, die Kirche auf die Seele, der Leser auf eine Lehre, die Cruz verweigert. Mexiko nach der Revolution ist in diesem Buch kein erlöstes Land, sondern ein Markt, auf dem die ehemaligen Kämpfer die Titel tauschen: General, Abgeordneter, Unternehmer. Cruz hat alle drei getragen. Fuentes schreibt das nicht als Anklage von außen. Er schreibt es aus dem Fieber, in dem der Sterbende sich selbst als du anspricht, weil das ich schon nicht mehr trägt. Wer Cruz nur als Schurken liest, hat die Zelle mit Gonzalo nicht gelesen; wer ihn nur als Opfer der Geschichte liest, hat Catalina nicht gehört.

Einordnung

Fuentes hat dem mexikanischen Roman die gebrochene Zeit gegeben, in der ein Leben sich nicht mehr als Aufstieg erzählen lässt. Neben Gabriel García Márquez' Hundert Jahre Einsamkeit steht das Buch als der andere Pol derselben Jahrzehnte: nicht das Dorf der Wunder, sondern die Hauptstadt des Geschäfts, nicht die Familie über hundert Jahre, sondern ein Mann an einem Nachmittag. Die Revolution von 1910, in den Schulbüchern als Ursprung der Nation, erscheint hier als Personalakte eines Überlebenden. Octavio Paz hatte das Labyrinth der Einsamkeit als Essay beschrieben; Fuentes erzählt es als Körper, der nicht sterben will und nichts mehr glaubt. Wer nach diesem Band über die mexikanische Revolution spricht, als wäre sie nur Sieg oder nur Verrat, hat Cruz nicht zu Ende sterben lassen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.