Der SED-Staat und die Kirche
| Daten zum Buch | |
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| Deutscher Titel: | Der SED-Staat und die Kirche |
| Autor(en): | Gerhard Besier |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Bertelsmann |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1993 |
| Seitenanzahl: | 926 Seiten |
| Originaltitel: | Der SED-Staat und die Kirche |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3570020800 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783570020807 |
| Schlagwörter: | DDR, Kirche, Staatssicherheit, Anpassung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Rezensionen | |
Der SED-Staat und die Kirche ist das dreibändige Werk des Kirchenhistorikers Gerhard Besier über die Beziehungen zwischen leitenden kirchlichen und staatlichen Verantwortlichen in der DDR von 1949 bis 1990. Der erste Band, Der Weg in die Anpassung, erschien 1993 bei Bertelsmann; 1995 folgten bei Propyläen Die Vision vom „Dritten Weg“ und Höhenflug und Absturz. Zusammen zählen die Bände fast dreitausend Seiten, davon über tausend Anmerkungen. Besier hatte gleich nach Öffnung der Stasi-Archive 1990 zu lesen begonnen; frühere Aufsätze und die Dokumentation Pfarrer, Christen und Katholiken zogen schon Kritik auf sich. Das Buch ist Aktenhistory der Spitzen, nicht Gemeindegeschichte von unten.
Inhalt
Besier schreibt gegen das Selbstbild einer Kirche, die in der Diktatur vor allem Widerstand und Nische gewesen sei. Die Akten des Ministeriums für Staatssicherheit, des Staatssekretariats für Kirchenfragen und der SED, ergänzt um begrenztes kirchliches Material, zeigen eine zunehmende scheinbare Anpassung an Strukturen und ideologische Sprache des Staates. Kirchliche Vertreter brachten in Gesprächen auf vielen Ebenen auch interne Sachfragen und geplante Personalentscheidungen vor. Besier verzichtet auf eine große Deutung und lässt Wertungen in Formulierungen durchscheinen. Unbekanntes über die Erfassung kirchlicher Mitarbeiter als inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit tritt zutage. Die Ost-CDU-Akten der Konrad-Adenauer-Stiftung blieben ihm verschlossen.
Die drei Zeitblöcke tragen die Behauptung. Der erste Band führt von der Gründung der DDR bis 1969 den Weg in die Anpassung. Der zweite gilt den Jahren 1969 bis 1990 und der Vision eines dritten Weges zwischen den Blöcken, in der kirchliche Leitungen eine eigene gesellschaftliche Rolle suchten und staatliche Gesprächspartner fanden. Der dritte Band verdichtet 1983 bis 1991: Höhenflug der öffentlichen Bedeutung in den achtziger Jahren, Absturz nach der Friedlichen Revolution, wenn die Akten sprechen. Evangelische und katholische Kirche kommen vor; das Gewicht liegt bei den Evangelischen, deren Föderation und späterer Bund der Staat als Verhandlungspartner brauchte. Die Fülle der Gespräche selbst war für Außenstehende das Erstaunlichste.
Unsicher wird das Werk durch die Quellenwahl. Kritiker warfen Besier vor, sich auf eine den Kirchen feindliche Institution zu stützen, ohne zureichende Quellenkritik, und die alltägliche Arbeit in Gemeinden, die Notwendigkeit von Zugeständnissen in einem kirchenfeindlichen Staat zu unterschätzen. Namensverwechslungen in früheren Publikationen mussten korrigiert werden. Der erzwungene Verlagswechsel vor den Folgebänden gehörte zur öffentlichen Schlacht. Die Gegenposition der Betroffenen – ohne Gespräche keine Räume, ohne Anpassung keine Seelsorge – kommt in den Akten als Sprache der Gegenseite vor, selten als ernstgenommene Zwangslage. Der Ton ist der eines Historikers, der wertet, indem er zitiert. Peter Maser sprach in der Frankfurter Allgemeinen von einer ersten Schneise.
Einordnung
Kaum ein kirchenhistorisches Werk der neunziger Jahre hat so in die innerkirchliche Auseinandersetzung der vereinigten EKD hineingewirkt. Es steht neben den Memoiren der Beteiligten und gegen sie, neben der Forschung, die Gemeinde und Opposition stärker gewichtet. Nachbarschaft hat es zu den Enquetekommissionen und zur Aufarbeitung der Staatssicherheit. Die Rezensionen von Glenthøj, Greschat, Ericksen und Heidingsfeld verhandelten Methode so heftig wie Befund.
Geblieben ist die Menge der Gespräche und die Frage, was Anpassung heißt, wenn der Partner eine Diktatur ist. Wer nach 1993 über Kirche in der DDR spricht, als wäre sie nur Widerstand gewesen, spricht gegen dieses Buch; wer es für die ganze Wahrheit der Gemeinden hält, spricht hinter seinen Akten und an den Gemeinden vorbei. Die drei Bände haben das Feld geöffnet und die Fronten verhärtet. Beides gehört zur Wirkungsgeschichte.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
