Der Liebhaber

Marguerite Duras · 1984 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Liebhaber
Autor(en): Marguerite Duras
Originaltitel: L'Amant
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1984
Schlagwörter: Mekong, Begehren, Kolonie, Mutter
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 194 Seiten
ISBN: 9783518381298
Verweise


Der Liebhaber ist der Roman von Marguerite Duras, 1984 bei Minuit erschienen, im selben Jahr mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Ein französisches Mädchen in Indochina, fünfzehn Jahre alt, fährt über den Mekong und steigt in den Wagen eines reichen Chinesen. Die Liaison dauert anderthalb Jahre; erzählt wird sie spät, in einer Stimme, die sich selbst als Bild erinnert. Duras hatte denselben Stoff schon anders geschrieben; diese Fassung ist die kargste und die berühmteste.

Inhalt

Die Erzählerin sieht sich auf der Fähre: den Filzhut, das Goldlamékleid, die zu großen Schuhe, das Gesicht, das schon alt sein wird. Der Mann aus Cholon, Sohn eines Kaufmanns, zwölf Jahre älter, reich, vom Vater beherrscht, holt sie ab. Sie gehen in eine Wohnung über der Stadt. Der Körper wird ohne Sentimentalität beschrieben; die Liebe wird nicht behauptet. Das Mädchen nimmt das Geld, das die verarmte Familie braucht, und nimmt das Begehren, das die Mutter nicht nennen will.

Die Mutter unterrichtet, spielt, verliert, schlägt. Der ältere Bruder stiehlt, demütigt, zerstört, was er berührt; der jüngere Bruder ist zart und stirbt früh. Die Kolonie ist keine Kulisse: Rassengrenze, Armut der Weißen, Reichtum des chinesischen Viertels, die Schule in Saigon. Das Mädchen weiß, dass diese Liebe nicht zur Ehe führen wird; die Familie des Mannes will keine Französin, die Mutter will keinen Chinesen. Die Affäre endet, als das Schiff nach Frankreich geht. Er heiratet eine Erbin. Sie wird Schriftstellerin.

Jahre später, in Paris, ein Anruf. Er sagt, er liebe sie noch, er werde sie bis zum Tod lieben. Der Satz steht da, ohne dass der Roman ihn wärmt. Duras wiederholt Bilder – den Fluss, den Hut, das Zimmer –, bis die Wiederholung die Erinnerung ist. Wer Handlung als Fortschritt will, findet Kreise. Die Kreise sind der Gegenstand: wie ein Gesicht aus der Kolonie bleibt, wenn die Kolonie vorbei ist.

Einordnung

Duras hat das Begehren zwischen Rassen, Geld und Familie als Lage erzählt, nicht als Psychologie. Der Goncourt hat das schmale Buch weltläufig gemacht; der Film von Jean-Jacques Annaud hat Gesichter geliefert, die der Text verweigert. Die Prosa ist kälter als das Bild. Neben Yourcenars Kaiserstimme und der männlichen Moderne steht sie als die, die Indochina nicht als Reue, sondern als erste Sprache behält.

Man hat den Band zur erotischen Ikone gemacht und die Mutter überschlagen. Wer nur das Zimmer in Cholon sucht, unterschlägt den Bruder. Wer nur die Kolonialkritik sucht, unterschlägt, dass das Mädchen will, nicht nur unterliegt. Der Liebhaber aus Nordchina hat später nachgelegt; diese Fassung bleibt die schärfere, weil sie weniger erklärt. Suhrkamp hat die Übersetzung von Ilma Rakusa gehalten.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Begehren (zentral) · Geschlecht (wichtig) · Kolonialismus (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.