Der Bilderatlas Mnemosyne
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Der Bilderatlas Mnemosyne |
| Autor(en): | Aby Warburg |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | De Gruyter |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1929 |
| Seitenanzahl: | 140 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3050059648 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783050059648 |
| Schlagwörter: | Pathosformel, Gedächtnis, Antike, Tafel |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Kunstgeschichte |
| Rezensionen | |
Der Bilderatlas Mnemosyne ist das Fragment, an dem Aby Warburg in den letzten Jahren vor seinem Tod 1929 arbeitete. Rund sechzig Tafeln, etwa zweitausend Bilder aus Kunst, Kult und Presse: das Nachleben der Antike als Anordnung, nicht als Erzählung. Die Angaben beziehen sich auf die Studienausgabe, die Martin Warnke bei Akademie Verlag und später De Gruyter herausgegeben hat.
Inhalt
Warburg wollte kein Buch im gewöhnlichen Sinn. Er wollte ein Bildgedächtnis Europas, das sich zeigt, indem man Motive nebeneinanderstellt: Geste, Pathos, Nymphe, Todesfurcht, das Ritual neben der Reklame, Botticelli neben der Briefmarke. Die Pathosformel ist der Kern: eine antike Gebärde der Erregung, die wiederkehrt, wo spätere Zeiten Leidenschaft brauchen und nicht erfinden. Mnemosyne, die Erinnerung, ist die Göttin des Unternehmens. Der Atlas sollte struktural und genetisch zugleich sein – Reihen, die eine Herkunft zeigen, Konstellationen, die eine Gleichzeitigkeit zeigen. Der knappe Text, der die Tafeln begleiten sollte, blieb Spur. Was vorliegt, ist das Fragment in der Form, in der Warburg es hinterließ, nicht eine nachträgliche Dichtung über die Bilder.
Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek in Hamburg war die Maschine dazu: Bücher, die nach dem Problem stehen, nicht nach der Gattung; Reisen nach Arizona, nach Florenz, die Schlange, die im Ritual überlebt. Kreuzlingen gehört zur Genesis: Wer den Schrecken am eigenen Leib kennt, nimmt die Formel nicht als Stilübung. Der Atlas montiert Hochkunst und Massenblatt, weil das Gedächtnis keine Museumsgrenze achtet. Astrologie, Festwesen, die bewegte Nymphe, der trauernde Flussgott – das sind keine Kapitel einer Stilgeschichte. Es sind Stationen einer psychischen Ökonomie, in der Bilder Angst binden. Gegen Wölfflins Paare, die Form mit Form vergleichen, setzt Warburg Bild an Bild, bis eine Wiederkehr sichtbar wird. Gegen die Ikonologie, die später Bedeutungen schichtet, setzt er die Anordnung, die Bedeutung erst erzeugt.
Das Unfertige ist keine Manier, es ist der Stand des Werks. Mitarbeiter der Bibliothek haben nach der Übersiedlung nach London den Atlas zu edieren versucht; eine angemessene Veröffentlichung kam erst spät. Die Studienausgabe verzichtet darauf, die Tafeln mit fremder Assoziation zu füllen. Kritik hat das Unternehmen magisch, unmethodisch, zu weit von der Werkästhetik genannt. Die Stärke liegt genau dort: dass Kunstgeschichte Kulturwissenschaft wird, ohne die Bilder zu Illustrationen einer Theorie zu machen. Wer nur die Pathosformel als Schlagwort nimmt, hat die Tafeln nicht gesehen. Wer nur die Tafeln bewundert, unterschlägt die Gelehrsamkeit, die jedes Blatt identifiziert.
Einordnung
Der Atlas ist die Urszene der späteren Bildwissenschaft, nicht ihr Lehrbuch. In Die einflussreichsten Werke der Kunstgeschichte: 20. Jahrhundert steht er zwischen Wölfflins Formpaaren und Panofskys Ikonologie: das Gedächtnis, das weder reine Optik noch reine Bedeutung ist. Gombrich hat das Warburg Institute weitergeführt und den Gründer oft in eine Psychologie des Schemas übersetzt; der Atlas bleibt wilder. Hans Beltings Bild und Kult hat das Bild vor dem Kunstwerk erzählt; Warburg hatte das Bild als Nachleben erzählt, das den Kult nicht abstreift. Wer Kunstgeschichte nur als Stilkunde will, hält den Atlas für Nachbarschaft. Wer das Bild als Gedächtnis will, hält ihn für Anfang.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
