De spectaculis
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | De spectaculis |
| Autor(en): | Tertullian |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | Reclams Universal-Bibliothek |
| Erscheinungsjahr: | 200 |
| Seitenanzahl: | 119 Seiten |
| Originaltitel: | De spectaculis |
| Originalsprache: | lateinisch |
| ISBN-10: | 3150084776 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150084779 |
| Schlagwörter: | Schauspiele, Götzendienst, Circus, Theater |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Theologie |
| Rezensionen | |
De spectaculis, Über die Schauspiele, ist die um 200 entstandene lateinische Schrift des karthagischen Kirchenschriftstellers Tertullian gegen den Besuch von Circus, Theater, Wettkampf und Gladiatorenkampf. Die Spiele standen im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens des Römischen Reiches; Tertullian unterwirft sie einer christlichen Kritik, die bis zum Fanatismus geht. Die Sprache ist lebendig, drastisch, pathetisch und sarkastisch, mit polemischen Seitenhieben. Karl-Wilhelm Weeber hat den Text 1988 zweisprachig bei Reclam herausgegeben; es ist die erste umfassende Behandlung der Spiele durch einen Kirchenvater.
Inhalt
Tertullian schreibt gegen die Meinung, ein Christ könne die Spiele als harmloses Vergnügen oder als bürgerliche Pflicht besuchen. Alle spectacula seien Götzendienst, idolatria: sie stammten aus dem Totenkult, trügen heidnische Götternamen und entzündeten Begierden, die die Taufe ausschließe. Die dreißig Kapitel wechseln zwischen Beschreibung und Verbot. Wagenrennen, Bühne, Agon und Munus werden nacheinander vorgeführt und verworfen. Schon die Herkunft belastet: Tertullian stützt sich auf Sueton und Timaios von Tauromenion, um Circusspiele aus etruskischem Totenkult, Liberalia und Consualia abzuleiten. Wer dort sitzt, sitzt im Heiligtum fremder Götter, auch wenn er nur die Pferde sehen will.
Die Behauptung wird an den vier Gattungen konkret. Im Circus schildert Kapitel 16 das Toben der Zuschauer; schon dieser Hass sei Grund genug, fernzubleiben. Die Bühne bindet er an Trunkenheit und Wollust; Atellane und Pantomime gelten als Unzucht und Lüge, der Kothurn als Fälschung der von Gott gegebenen Gestalt. Wohlklang und sprachliche Harmonie der Bühnenliteratur räumt er widerwillig ein und erklärt sie sogleich zur Lockung des Teufels. Die Wettkämpfe von Olympia, vom Kapitol und aus Nemea sind Jupiters und des Hercules wegen unannehmbar; dazu komme die Verunstaltung des Gesichts, des Ebenbildes Gottes. Die Gladiatorenkämpfe, die berühmtesten Spiele, führt er auf Menschenopfer am Grab zurück und brandmarkt ihre Grausamkeit. Überall stecke die Sucht nach Vergnügen, voluptas. Spöttisch notiert er, die Heiden beteten die Akteure an und versagten ihnen doch die Ehrenrechte.
Unsicher wird die Schrift, wo Abscheu und Gerechtigkeit auseinandertreten. Tertullian kennt die Literatur der Bühne besser, als ein bloßes Verbot verlangte, und rettet sie nicht. Die Herkunftsbeweise sind antiquarisch und oft spekulativ; die moralische Pointe braucht sie als Waffe. Das letzte Kapitel malt den Heiden den Gerichtstag in lebhaften Farben, den Christen die Freude an Wahrheit und Dichtung der eigenen Religion. Gegner haben den Text als Weltflucht gelesen, Anhänger als notwendige Scheidung. Der Ton ist der eines Anwalts der Strenge, der das Publikum noch kennt, das er verlässt. Die Grenze des Werks ist die der frühen Kirche vor der konstantinischen Wende: sie kann die Spiele nicht taufen, nur meiden.
Einordnung
Spätere Kirchenlehrer haben die gesammelte Polemik benutzt; unmittelbare Aufnahme ist bei Cyprian von Karthago und Novatian nachweisbar. Nachbarschaft hat die Schrift zur christlichen Absage an das Theater bis weit ins Mittelalter und zu Augustinus' späterer Kritik der Schauspiele, nicht zur antiken Theaterästhetik. Andreas Bigelmair, Werner Weismann und Christine Schnusenberg haben das Verhältnis von Kirche und Bühne an diesem Ursprungstext gemessen. Das Missverständnis liegt darin, hier nur Kulturfeindschaft oder nur eine Quelle der Spielstättenkunde zu sehen; beides steckt darin, gebunden an das Verbot des Götzendienstes.
Geblieben ist der Satz, dass das Schauspiel den Zuschauer zum Teilnehmer eines Kults macht, den er nicht beichten will. Wer über Christen im römischen Alltag, über Circus und Arena spricht, spricht hinter dieser Schrift oder gegen ihre Strenge. Die Reclam-Ausgabe hat den polemischen Atem bewahrt; er erklärt, warum die Kirche die Spiele so lange fürchtete.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
