Das Reich von dieser Welt
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Das Reich von dieser Welt |
| Autor(en): | Alejo Carpentier |
| Originaltitel: | El reino de este mundo |
| Originalsprache: | spanisch |
| Erstveröffentlichung: | 1949 |
| Schlagwörter: | Haiti, Revolution, Wunderbares, Sklaverei |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 186 Seiten |
| ISBN: | 9783518374849 |
| Verweise | |
Das Reich von dieser Welt ist der 1949 in Mexiko erschienene Roman von Alejo Carpentier über die haitianische Revolution, gesehen mit den Augen des Sklaven Ti Noël. Das schmale Buch hat der lateinamerikanischen Erzählung das Wort vom Wunderbaren in Amerika gegeben: nicht als Schmuck, sondern als Behauptung, dass die Wirklichkeit der Karibik das europäische Wunder überbietet. Mackandal verwandelt sich in Tiere, Henri Christophe baut eine Zitadelle aus Blut, Pauline Bonaparte nimmt Bäder gegen das Gelbfieber, und Ti Noël überlebt alle Herren. Die deutsche Übersetzung von Doris Deinhard erschien bei Suhrkamp. Carpentier, in der Schweiz geboren und in Kuba zu Hause, hatte Haiti 1943 bereist; das Vorwort zur ersten Ausgabe ist selbst ein Manifest.
Inhalt
Ti Noël dient auf der Plantage des Franzosen Lenormand de Mézy bei Cap-Français. Unter den Sklaven geht die Lehre des einarmigen Mackandal um: Gift gegen die Herren, und die Gewissheit, dass der Abwesende als Insekt, Vogel oder Pferd wiederkommt. Mackandal wird verbrannt; die Versammelten sehen ihn entkommen. Carpentier erzählt das nicht als Aberglauben, den der Leser durchschaut, sondern als die Wirklichkeit derer, die das Feuer umstehen. Die Revolution bricht aus. Bouckman schwört im Bois Caïman, die Plantagen brennen, de Mézy flieht mit Ti Noël nach Kuba und kehrt zurück in ein Land, das ihm nicht mehr gehört. Toussaint Louverture, Dessalines, der Krieg gegen die Franzosen: Ti Noël bleibt der Zeuge unten, nicht der General.
Henri Christophe, der Köche und Maurer zum König macht, zwingt die ehemaligen Sklaven zum Bau der Zitadelle La Ferrière und des Palastes Sans-Souci. Die schwarze Monarchie kopiert Versailles und überbietet es an Härte. Ti Noël arbeitet mit, desertiert in Gedanken, sieht den König, der sich die Kugel gibt, als die eigenen Truppen ihn verlassen. Pauline Bonaparte, Schwester Napoleons, erscheint in einem Zwischenspiel als Frau, die Haiti als Kulisse ihrer Schönheit nimmt und vor dem Fieber flieht; ihr Masseur Soliman trägt später, in Rom, die Erinnerung an diesen Hof in einen anderen. Das Reich wechselt die Herren: Franzosen, schwarze Könige, mulattische Republikaner. Für Ti Noël ändert sich die Arbeit.
Am Ende sitzt Ti Noël in den Ruinen, erklärt sich selbst zum König eines unsichtbaren Hofes und ruft die Natur zu Hilfe, wie Mackandal es getan hat. Die Geier kommen, der Wind, die Einsicht, dass der Mensch das Reich von dieser Welt nicht als Jenseits verlassen darf, sondern hier aushalten muss – »im Reich von dieser Welt«. Carpentier schließt nicht mit der Unabhängigkeit als versöhnlichem Schluss der Nation, sondern mit einem alten Mann, der alle Regime überlebt hat und keinem gehört. Die Wunder Mackandals und die Zitadelle Christophes stehen auf derselben Erde. Wer nur die Magie nimmt, hat die Zwangsarbeit nicht gesehen; wer nur die Revolution nimmt, hat den Sklaven nicht gehört, der nach dem Sieg wieder Steine schleppt.
Einordnung
Das Vorwort hat den Begriff des wunderbar Wirklichen in Umlauf gebracht, oft zitiert, selten so nüchtern gelesen, wie Carpentier Haiti beschreibt: als Geschichte, die das Unwahrscheinliche zur Tatsache macht. Vor Hundert Jahre Einsamkeit steht dieses Buch als Probe, dass die Karibik keine Folklore braucht, um das Unerhörte zu erzählen. Die haitianische Revolution, in Europa lange die vergessene der drei großen Umwälzungen, ist hier der eigentliche Weltstoff. Carpentier schreibt vom Rand, mit barocker Syntax und mit dem Blick des Musikers, der Rhythmen schichtet. Wer nach ihm über Wunder und Politik in Amerika spricht, spricht hinter Ti Noël – nicht hinter dem König, der sich eine Krone aufsetzte und dieselbe Peitsche behielt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
