Das Heerlager der Heiligen

Jean Raspail · 1973 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Das Heerlager der Heiligen
Autor(en): Jean Raspail
Originaltitel: Le Camp des Saints
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1973
Schlagwörter: Invasion, Rassismus, Untergang, Frankreich
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Antaios


Umfang dieser Ausgabe: 416 Seiten
ISBN: 9783944422121
Verweise


Das Heerlager der Heiligen ist der 1973 erschienene Roman von Jean Raspail, im Original Le Camp des Saints. Der katholische Monarchist erzählt, wie eine Flotte mit einer Million hungernder Inder an der Côte d’Azur landet und das »Abendland« zusammenbricht, weil Kirche, Presse, Politik und Armee vor Mitgefühl und schlechtem Gewissen nicht mehr schießen. Der Titel zitiert die Offenbarung des Johannes. Das Buch ist keine Satire, die sich selbst unterläuft, sondern eine fremdenfeindliche Zukunftserzählung, die Nichtweiße als gesichtslose Masse und Europa als verratene weiße Kultur zeichnet. In Frankreich verkaufte es sich über Jahrzehnte; in Deutschland erschien 1985 eine gekürzte Fassung im Hohenrain-Verlag, 2015 die vollständige Übersetzung von Martin Lichtmesz im Verlag Antaios. Rechte Politiker von Marine Le Pen bis Stephen Bannon haben es als Schlüsselbuch genannt.

Inhalt

Ein anonymer Erzähler berichtet im Rückblick. Nach dem Ende eines Adoptionsprogramms stürmen die Ärmsten indischer Häfen hochseetaugliche Schiffe; hundert Wracks, geführt von einem missgebildeten Kind der untersten Kaste, nehmen Kurs auf den Westen. Australien weist sie ab, Ägypten sperrt den Sueskanal, das südafrikanische Apartheidregime droht mit Waffengewalt, wirft Lebensmittel ab und sieht zu, wie die Flotte die Ladung ins Meer wirft. Europäische Kirchen, Hilfswerke und Prominente inszenieren Versorgung, solange die Schiffe weit sind; die Flotte nimmt nichts an und fährt weiter. Ein französisches Kriegsschiff soll einen Scheinangriff fliegen; die Matrosen verweigern den Befehl. Der Papst des Romans, Benedikt XVI., hat den Kirchenschatz verkauft. Die öffentliche Rede gilt der Barmherzigkeit, bis die Landung konkret wird.

An einem Ostersonntag stranden fast eine Million Menschen zwischen Saint-Tropez und Nizza. Die Küstenbewohner fliehen nach Norden, die Reichen in die Schweiz. Der Präsident überlässt den Schießbefehl dem Gewissen jedes Soldaten; die Truppe desertiert. Eine Handvoll Offiziere, Mönche und alte Nationalisten bleibt. Der emeritierte Professor Calguès beobachtet vom Haus über der Bucht das Treiben wie Jericho vor dem Fall. Der Oberst Dragasès, nach dem letzten Kaiser von Byzanz benannt, hält mit wenigen Panzern Stellung, bis Paris die Verschanzten bombardieren lässt. Im Süden herrscht Anarchie; Raspail schildert Plünderung, Vergewaltigung und gesichtslose Horden, denen er keine Rede gibt. In den Städten übernehmen »vielrassige« Komitees, Kirchen werden der muslimischen Gemeinde übereignet, am Amur stehen Chinesen, in New York nehmen Arme die Wohnungen der Weißen.

Nebenhandlungen führen den Journalisten Clément Dío – eigentlich Ben Souad, nordafrikanischer Herkunft – und seine Freundin in den Süden, wo entflohene Strafgefangene sie erniedrigen. Ein Philosoph, der die Flotte organisieren wollte, wird in Kalkutta erdrückt. Das Buch endet mit dem Gerücht, neue Flotten brächen in Indonesien und Südamerika auf. Die »Heiligen« des Titels sind in Raspails Lesart die Armen, die wie eine biblische Plage kommen; das Heerlager ist Europa, das sich nicht mehr für eine Festung hält. Die Erzählung schwelgt im Hässlichen und gibt der Gegenwehr das letzte Pathos: Kaviar, Rotwein, der Schuss auf jeden, der sich nähert.

Einordnung

Raspail hat eine rassistische Untergangsfantasie geschrieben, keine Analyse von Migration. Die Ankommenden sind keine Personen, sondern Menge, Gestank, Fruchtbarkeit, Drohung; die Europäer, die helfen wollen, sind in seiner Sprache Huren der Medien, Silberzungen der Politik, Kondottiere der Kirche. Lorenz Jäger nannte den Roman in der FAZ grotesk-apokalyptisch bis zur Obszönität; die Jungle World rechtsextrem; Ulrich Ladurner in der Zeit ein übles Machwerk; Christian Schröder im Tagesspiegel das Kultbuch von Pegida und ein fremdenfeindliches Szenario. Matthias Matussek und Michael Klonovsky haben ihn als Prophetie der Flüchtlingsbewegung nach 2015 gelobt – eine Lesart, die das Pamphlet zur Warnung adelt und die Entmenschlichung der Ankommenden unterschlägt.

Die deutsche Vollfassung im Antaios-Verlag, einem Haus der Neuen Rechten, gehört zur politischen Wirkungsgeschichte, nicht zu einer stillen Wiederentdeckung. Viktor Orbán hat das Buch 2022 öffentlich empfohlen. Die Ruhrfestspiele 2019 haben eine Bühnenfassung nach dem französischen Original gezeigt, nicht nach Lichtmesz. Wer den Roman historisch einordnet, muss Herkunft und Wirkung klar nennen: ein französischer Monarchist schreibt 1973 den Untergang der »weißen Rasse« als Roman, und ein internationales rechtes Milieu liest ihn seither als Beweis. Literarisch bleibt ein bitterböses, oft geschmackloses Buch, dessen Kraft in der Gehässigkeit liegt, nicht in der Wahrheit über Menschen auf Schiffen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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