Das Café ohne Namen
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Das Café ohne Namen |
| Autor(en): | Robert Seethaler |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Ullstein |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2023 |
| Seitenanzahl: | 288 Seiten |
| Originaltitel: | Das Café ohne Namen |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3548069274 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783548069272 |
| Schlagwörter: | Wien, Café, Markt, Nachkriegsjahre |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Das Café ohne Namen ist ein Roman von Robert Seethaler, 2023 bei Claassen erschienen, als Taschenbuch bei Ullstein. Im Sommer 1966, zeitgleich mit der Geburt des Autors, pachtet der ehemalige Marktarbeiter Robert Simon am Wiener Karmelitermarkt ein leerstehendes Lokal und öffnet es ohne Schild. Zehn Jahre lang ist das Café der Ort, an dem Gäste, Personal und der Wirt ihre Leben aneinanderreiben. Seethaler schreibt, wie in Der Trafikant, in ruhigen Sätzen, ohne das Historische als Lehrstück aufzutragen. Die Leopoldstadt nach dem Krieg ist Arbeitsviertel, nicht Gedenkstätte; genau das haben Kritiker ihm vorgehalten.
Inhalt
Robert schließt mit dem Eigentümer Kostja Vavrovsky den Pachtvertrag, renoviert, holt Rat beim Fleischermeister Johannes Berg und bei der Kriegerwitwe Martha Pohl, seiner Vermieterin. Am Eröffnungstag füllt sich der Raum. Mila Szabica, nach der Schließung einer Textilfabrik ohne Stelle, bricht vor der Fleischerei zusammen; Robert stellt sie als Kellnerin ein. Der Heumarktringer René Wurm träumt von Amerika, verliebt sich in Mila, verliert einen Kampf, weil er an sie denkt. Der Winter 1966 leert die Stühle, bis Martha Punsch vorschlägt und die Gäste wiederkommen.
Robert verliert drei Finger, als der Heizkessel explodiert. Mila wird schwanger, heiratet René, das Kind stirbt bei der Geburt. Der Hilfsarbeiter Arnie Stjanko wird nach einer Schlägerei des Hauses verwiesen und nimmt sich Jahre später das Leben. Heide und Mischa streiten über Untreue; ein Brand trifft den Markt. Robert verliebt sich in die junge Jascha, die seine Nähe abweist, des Diebstahls verdächtigt wird und mit aufgeschnittenem Arm verschwindet. Renés Vertrag platzt, er trinkt, Mila wirft ihn hinaus und holt ihn wieder. 1976 stirbt Vavrovsky fast auf der Marienbrücke; verschuldet muss er das Haus abgeben.
Ein Abschiedsfest im Juli, danach schließt Robert. Der alte Georg sieht in derselben Nacht den Einsturz der Reichsbrücke. Martha lebt inzwischen im Heim; Robert besucht sie. Zwischen den Kapiteln stehen Dialoge ohne Erzähler, Gerüchte der Gäste. Die zehn Jahre sind keine Karriere, sondern ein Versuch, an einem Tisch zu bleiben, während Fabriken schließen, Körper nachgeben und die Stadt sich umbaut. Der Name fehlt am Schild, weil der Ort die Gäste sein soll, nicht die Marke; Seethaler lässt die Jahre in Sprüngen vergehen und die Gespräche in Echtzeit stehen. Was bleibt, sind Finger, ein totes Kind, ein Kessel und ein Fest, nach dem das Lokal leer ist – der Wirt geht nicht als Sieger, sondern als Mann, der zehn Jahre lang eingeschenkt hat.
Einordnung
Sandra Kegel lobte das Porträt von Milieus in kleinen Dialogen und tadelte, dass der Holocaust im einst größten Judenviertel Wiens außen vor bleibe. Cornelius Pollmer nannte Seethalers Bücher ein Bad für Grübler; Julia Riedhammer las die Schlichtheit als Stärke: Menschen brauchen Menschen, zumal im Umbruch. Der Roman stellt Lebensfragen, ohne sie zu beantworten, und zeigt Scheitern ohne Pathos. Wer Ein ganzes Leben oder Der Trafikant kennt, findet denselben Ton, an einen Schankraum gebunden. Die Leopoldstadt ist hier Markt und Miete, nicht Gedenktafel.
Die Reichsbrücke fällt am Rand, nicht als Symbolstunde; sie fällt, während Georg trinkt. Seethaler hat 1966 bis 1976 nicht als Politikroman erzählt, sondern als Folge von Schichten, Punsch und Verlust. Das Fehlen der jüdischen Geschichte der Leopoldstadt ist eine Lücke, keine Nebensache. Der Band wurde ein Verkaufserfolg; das namenlose Café ist als Bild geblieben, genauer als manche benannte Institution. Wer nach Seethaler über Wien am Markt spricht, hat diesen Tresen im Ohr.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
