City of Quartz
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | City of Quartz |
| Autor(en): | Mike Davis |
| Originaltitel: | City of Quartz. Excavating the Future in Los Angeles |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1990 |
| Schlagwörter: | Stadt, Überwachung, Los Angeles, Festung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Zeitdiagnose |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Assoziation A
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| Umfang dieser Ausgabe: | 424 Seiten |
| ISBN: | 9783862414963 |
| Verweise | |
City of Quartz. Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles (englisch City of Quartz. Excavating the Future in Los Angeles) ist die 1990 bei Verso erschienene Untersuchung von Mike Davis über Los Angeles als Muster der kapitalistischen Stadt. Immobilien, abgeschlossene Wohnanlagen, eine Polizei, die Krieg gegen schwarze Jugend und Jugend mexikanischer Herkunft führt, der öffentliche Raum als Rest, den man überwacht oder privatisiert: Davis gräbt die Zukunft aus, die in der kalifornischen Gegenwart schon steckt. Zwei Jahre später explodierten die Unruhen nach der Misshandlung Rodney Kings; das Buch galt von da an als das, was die Stadt über sich selbst nicht hatte wissen wollen. Die deutsche Übersetzung von Jan Reise kam 1994 heraus, später bei Assoziation A.
Inhalt
Davis beginnt nicht mit Palmen und Film, sondern mit der Macht, die das Bild von Los Angeles herstellt. Die eine Erzählung ist Sonnenschein, Neubeginn, das milde Klima als Versprechen; die andere ist das düstere Los Angeles der Kriminalromane und des schwarzen Films. Beide dienen Interessen: Spekulanten, Zeitungen, der Kulturindustrie, die aus der Stadt eine Ware machen. Dagegen setzt Davis eine Sozialgeschichte der Grundstücke und der Angst. Wenige Gesellschaften und Familien haben über Jahrzehnte entschieden, wo gebaut, wen vertrieben, welche Gewerkschaft gebrochen wird. Die »offene Stadt« war nie offen. Was als Natur der Landschaft erscheint – Zersiedlung, Autobahn, das Tal gegen die Innenstadt –, ist Ergebnis von Bodenpreis, Rassenschranke und Steuerpolitik. Davis schreibt das wütend und belegt, näher am Archiv als an der Feuilletonklage über das seelenlose Los Angeles.
Das berühmteste Kapitel gilt der Stadt als Festung. Nach den Unruhen der sechziger Jahre und unter dem Druck der Immobilienwirtschaft zieht sich das wohlhabende Los Angeles hinter Mauern, Kameras, Wachdienste und eine Architektur zurück, die den Unerwünschten schon durch Beton abweist: Parks ohne Bank, Bahnsteige, auf denen man nicht liegen kann, Einkaufszentren als private Innenstädte, Wohnhäuser, deren öffentliche Seite verstummt. Der öffentliche Raum stirbt nicht, er wird umgewidmet. Michel Foucaults Überwachen und Strafen hatte die Disziplin am Gefängnis und an der Anstalt festgemacht; Davis findet sie in der Fußgängerzone und im Vorgarten. Die Polizei von Los Angeles erscheint als Besatzungsmacht in den Vierteln, deren Jugend sie als Feind führt. David Garland hat später in Kultur der Kontrolle denselben Umschlag von Wohlfahrt zu Sicherheit für die spätmoderne Gesellschaft beschrieben; Davis hat ihn am Boden von Los Angeles konkret gemacht, bevor das Fach den Namen hatte.
Die übrigen Grabungen gelten der Arbeiterbewegung, die gebrochen wurde, den Kirchen und Sekten, den Intellektuellen, die die Stadt deuteten oder verrieten, dem Wasser, ohne das Kalifornien nicht wächst. Davis ist Marxist ohne Lehrbuchton: Klasse sitzt im Grundstück, Rassismus in der Zonierung, die Zukunft in der Angst der Eigentümer. Kritik hat ihm Übertreibung, ein zu dunkles Bild und die Lust an der Katastrophe vorgeworfen; Ecology of Fear hat diesen Vorwurf später genährt. City of Quartz bleibt genauer, wo es Adressen, Verträge und die Geographie der Trennung nennt. Die deutsche Ausgabe hat den Untertitel der Ausgrabung behalten. Wer nur die Unruhen von 1992 als Bestätigung liest, macht aus einer Analyse eine Prophezeiung. Davis hat nicht die Nacht vorhergesagt; er hat die Mauern beschrieben, an denen sie sich entzündete.
Einordnung
1990 ist das Buch zur Gründungsschrift einer Stadtforschung geworden, die Los Angeles nicht als Ausnahme, sondern als Vorhut nimmt: Privatisierung des Bodens, Überwachung des Rests, die Polizei als Grenztruppe im Innern. Guy Debords Die Gesellschaft des Spektakels hatte die Ware als Bild bestimmt; Davis zeigt, wie das Bild der Stadt selbst Ware und Waffe ist. Foucault liefert die Disziplin, Davis die Sonne und den Asphalt. Die amerikanische Linke hat den Band als Waffe gelesen, die Stadtplanung als Warnung, das Feuilleton als dunkle Kalifornien-Erzählung, die man auch dann zitiert, wenn man den Marxismus streicht. Die Unruhen von 1992 haben ihm den Ruf des Sehers eingetragen, der der Analyse eher schadet als nützt. Nachbarschaft hat der Text zu Garland und zur späteren Rede über abgeschottete Siedlungen weltweit. Wer nach Davis über die Stadt der Mauern spricht, spricht hinter diesem Band; wer Los Angeles nur als Filmkulisse nimmt, hat die Grundstücke nicht gesehen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
