Bildung. Alles, was man wissen muß

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Bildung. Alles, was man wissen muß
Autor(en): Dietrich Schwanitz
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Goldmann
Serie:
Erscheinungsjahr: 1999
Seitenanzahl: 544 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3442151473
ISBN-13/

EAN-Code:

9783442151479
Schlagwörter: Kanon, Wissen, Schule, Europa
Sachgebiete: Sachbuch, Pädagogik
Rezensionen
Umschlag

Bildung. Alles, was man wissen muß ist das 1999 bei Eichborn erschienene Sachbuch von Dietrich Schwanitz. Der Anglist und Romancier legt einen Streifzug durch Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst und Musik vor und behauptet, das sei der Kanon, den man in Deutschland voraussetzen dürfe. Das Buch kam als Antwort auf eine Schuldebatte der neunziger Jahre und wurde ein Verkaufserfolg, der die Gegenbücher erst erzeugt hat. Schwanitz will Bildung als soziales Spiel beschreiben, nicht als Prüfungswissen. Die Goldmann-Taschenausgabe hat den polemischen Kanon festgehalten.

Inhalt

Schwanitz schreibt gegen den Zustand der deutschen Schule am Ende des Jahrhunderts: sie habe Schiffbruch erlitten, weil niemand mehr zu sagen wage, was zum Kanon gehöre. Bildung ist für ihn das stillschweigend Vorausgesetzte, nach dem man in guter Gesellschaft nicht fragt; der Gebildete gleicht einem Schachspieler, der auch mit wenigen Figuren noch spielen kann, weil er die Züge kennt. Der erste, umfangreichere Teil heißt Wissen. Er setzt bei zwei Ursprungstexten Europas ein, bei der jüdischen Bibel und beim griechischen Doppelepos, und erzählt die Geschichte Europas von der Antike bis zur Jahrtausendwende als Erzählung, die man auf Gesellschaften mitführen können soll. Literatur, Kunst und Musik werden nicht als Stoffhuberei, sondern als Formensprache vorgeführt: ein Museumsrundgang, eine kleine Harmonielehre, ein Drama, in dem Shaw, Pirandello, Brecht, Ionesco und Beckett unter Aufsicht diskutieren.

Im Kapitel über Philosophen, Ideologien und wissenschaftliche Weltbilder beginnt Schwanitz bei René Descartes und endet bei Martin Heidegger; die Griechen hat er schon in der Geschichte untergebracht. Ideologien erscheinen als Markt miteinander konkurrierender Waren, mit spöttischen Seitenhieben auf den Jargon Theodor W. Adornos und Jacques Derridas und auf die Sprachpolitik des Feminismus, den er gleichwohl für zivilisatorisch wirksam hält. Den Erkenntnisfortschritt der Wissenschaften liest er mit Thomas S. Kuhn als Streit einer herrschenden Lehre gegen eine minderheitliche, nicht als gerade Linie; Charles Darwin, Albert Einstein und Sigmund Freud stehen für umwälzende Bilder. Ein eigenes Kapitel gilt der Geschichte der Geschlechterdebatte, von der Französischen Revolution über die englische Frauenbewegung bis zur Bürgerrechtsbewegung der Vereinigten Staaten. Der zweite Teil heißt Können: Regeln der gebildeten Rede, das Haus der Sprache, die Welt des Buches, eine Länderkunde der Vorurteile, Intelligenz und Schaffenskraft, und zuletzt das, was man unter Gebildeten nicht wissen soll – Klatschprominenz, Fernsehen, Sport – samt der Kluft zwischen den zwei Kulturen, die C. P. Snow beschrieben hat.

Unsicher wird das Buch, wo der Kanon als Gesellschaftsspiel erscheint und die Naturwissenschaften ausdrücklich nicht zur Bildung zählen. Schwanitz weiß, dass vieles vergessen wird, und macht aus dem Vergessen eine Tugend der Könner; die Kritik hat darin den Rückfall hinter den Neuhumanismus gesehen, dem es nie um eine Liste des Wissenswerten ging. Sachfehler – von stilistischen Entgleisungen bis zur Relativitätstheorie, die bei ihm nach „irgendwie relativ“ klingt – haben Rezensenten gesammelt. Der Ton ist der eines geistreichen Dozenten, der unterhält, indem er ausschließt. Das reflexive Wissen am Schluss, die Selbstbeschreibung in Rollen, Krisen und Lebensroman, soll die Kluft der zwei Kulturen schließen und bleibt ein Versprechen.

Einordnung

Der Band hat die deutsche Bildungsdebatte um 2000 lauter gemacht als irgendein Lehrplan. Ernst Peter Fischer antwortete mit Die andere Bildung und holte die Naturwissenschaften nach; Konrad Paul Liessmann rechnete in der Theorie der Unbildung mit dem eurozentrischen Gesellschaftsspiel ab. Wer Schwanitz’ Listen für Bildung hält, verfehlt, was Wilhelm von Humboldt unter Bildung verstand; wer sie nur belächelt, unterschätzt, wie sehr die Rede vom Kanon seither wieder öffentlich ist. Neben Kritik der reinen Vernunft und den großen Erzählungen der europäischen Literatur, die das Buch selbst zusammenfasst, wirkt es wie ein Hauslehrer, der den Kanon in einem Winter durchnimmt.

Geblieben ist der Streit, ob Bildung ein Kanon oder eine Haltung ist. Die Eichborn-Ausgabe und das Goldmann-Taschenbuch haben denselben Anspruch transportiert: alles, was man wissen muss – und die Naturwissenschaften nicht. Schule, Listenwissen und Allgemeinbildung sind seither schwer zu erörtern, ohne dieses Buch zu nennen oder abzuweisen. Schwanitz hat den Kanon laut gemacht; die Gegenschriften haben ihn nicht stillgelegt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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