Berliner Tagebuch
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Berliner Tagebuch |
| Autor(en): | William L. Shirer |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Kiepenheuer |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1941 |
| Seitenanzahl: | 520 Seiten |
| Originaltitel: | Berlin Diary: The Journal of a Foreign Correspondent, 1934–1941 |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 3378004754 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783378004753 |
| Schlagwörter: | Berlin, Nationalsozialismus, Tagebuch, Korrespondent |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Rezensionen | |
Berliner Tagebuch (englisch Berlin Diary) ist der 1941 bei Alfred A. Knopf erschienene Bericht des amerikanischen Journalisten William L. Shirer über die Jahre 1934 bis 1941 in Europa, vor allem in Berlin. Shirer kam 1934 als Wortjournalist nach Deutschland, arbeitete später für den Rundfunk von CBS unter Edward R. Murrow und verließ den Kontinent im Dezember 1940 von Portugal aus. Das Buch erschien am 20. Juni 1941, unmittelbar bevor die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten, und wurde ein Verkaufserfolg. Die deutsche Erstveröffentlichung besorgte 1991 Jürgen Schebera bei Kiepenheuer in Leipzig und Weimar. Das Tagebuch zählt als zeitgenössische Chronik des Dritten Reichs aus der Sicht eines ausländischen Berichterstatters – und als bearbeitete Erinnerung.
Inhalt
Shirer schreibt gegen zwei Unsichtbarkeiten: gegen die deutsche Zensur, die seine Sendungen strich, und gegen die amerikanische Ferne, die den Nationalsozialismus lange als europäische Angelegenheit behandelte. Die Einträge beginnen am 11. Januar 1934 und enden mit der Überfahrt. Shirer schildert die Gleichschaltung, die Olympischen Spiele von 1936, denen eine Kampagne gegen ihn vorausgegangen war, den Anschluss, die Sudetenkrise, den Krieg. Etwa die Hälfte des Bandes gilt dem Jahr 1940: Dänemark und Norwegen, der Westfeldzug, die zerstörte Universitätsbibliothek von Löwen, Paris nach der Kapitulation Frankreichs. Die Zensur des Propagandaministeriums wird selbst zum Gegenstand. Lange konnte aus London freier gesprochen werden als aus Berlin; Shirer pendelt und tastet die Grenze des Sagbaren ab.
Die Form ist die des Journalistenbuchs, nicht die des geheimen Diariums. Shirer montiert Beobachtungen, Gespräche, Gerüchte, den Ton der Aufmärsche und den der Alltagsangst. Er sieht die technische Modernität des Regimes und die Rohheit der Herrschaft, die Menge und den einzelnen Funktionär. Material aus diesen Jahren ist später in sein Erfolgsbuch über Aufstieg und Fall des Dritten Reichs eingegangen; das Tagebuch bleibt die nähere, sprunghaftere Form. Die Stimme ist die des Amerikaners, der Zugang hat und doch Gast bleibt, der die Sprache spricht und die Zensur fürchtet. Berichte über Verfolgung, Aufrüstung und Kriegsvorbereitung stehen neben der Mühe, eine Sendung durch die Prüfung zu bringen.
Das Buch wird unsicher, wo die Druckfassung das Urmanuskript überschreibt. Nach Shirers Tod zeigte sich, dass er die Jahre 1934 bis 1938 kräftig redigiert hatte: die Urfassung war dem nationalsozialistischen Staat freundlicher als das gedruckte Buch. Michael Strobl hat diese Selbstzensur untersucht; eine Zeitung brachte den Befund auf die Formel, Hitler wolle Frieden – so hatte Shirer zeitweise notiert, bevor die Veröffentlichung das Urteil schärfte. Shirer weiß, dass er für ein amerikanisches Publikum im Krieg schreibt, und formt die Vergangenheit vom Ausgang her. Der Ton ist der der Reportage, eingängig und parteilich im besseren Sinn, ohne die Theorie von Hannah Arendts Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Die Grenze, die das gedruckte Tagebuch zieht – Zeuge gegen das Regime –, ist eine nachträgliche Haltung, keine reine Niederschrift des Tages.
Einordnung
In den Vereinigten Staaten von 1941 war das Buch eine der wirkmächtigsten Schilderungen des nationalsozialistischen Alltags, gelesen als Beweis, dass der Krieg nicht aus dem Nichts kam. Es hat Shirers Namen gemacht, noch bevor das spätere Geschichtswerk den Kanon erreichte. In Deutschland kam es erst nach der staatlichen Einheit zwischen die Leser; die ostdeutsche Kiepenheuer-Ausgabe war eine verspätete Erstbegegnung. Die Forschung nutzt den Band als Quelle und als Problem: als Dokument der Beobachtung und als Dokument der Überarbeitung.
Geblieben ist ein Journalistenbuch, das den Nationalsozialismus aus der Hauptstadt erzählt und dabei die eigene Stimme mitgeformt hat. Wer über ausländische Korrespondenten im Dritten Reich, über Rundfunkzensur und über die Entstehung von Shirers Geschichtsbild spricht, stößt auf dieses Tagebuch. Die deutsche Ausgabe hat den berichtenden Atem bewahrt; der Schatten der Redaktion gehört seit Strobl mit zur Lektüre. Das gedruckte Zeugnis und das ungedruckte Notizbuch sind zwei Bücher, nicht eines.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
