Anton Voyls Fortgang
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Anton Voyls Fortgang |
| Autor(en): | Georges Perec |
| Originaltitel: | La Disparition |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1969 |
| Schlagwörter: | Lipogramm, Verschwinden, Rätsel, Sprache |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Diaphanes
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| Umfang dieser Ausgabe: | 405 Seiten |
| ISBN: | 9783037343227 |
| Verweise | |
Anton Voyls Fortgang ist die deutsche Fassung von Georges Perecs Roman La Disparition, 1969 erschienen. Das ganze Buch kommt ohne den Buchstaben e aus, den häufigsten des Französischen; Eugen Helmlé hat dasselbe Verbot 1986 ins Deutsche gezwungen. Perec gehörte zur Werkstatt für potentielle Literatur, dem Oulipo, das sich Regeln auferlegt, um Erzählung neu zu bauen. Die Regel ist hier keine Spielerei am Rand: Verschwinden heißt der Titel, und verschwunden ist der Vokal, die Titelfigur, zuletzt fast die ganze Verwandtschaft. Was als Wette begann, ist ein Kriminalroman, eine Familiensaga und eine Trauerarbeit, in der die Leiche ein Buchstabe ist.
Inhalt
Anton Voyl – der Name ist aus dem französischen Wort für Vokal geschnitten – leidet an Schlaflosigkeit. Ein Nachbar bringt ihn ins Krankenhaus, eine Operation am Hals ändert nichts. In Visionen lebt er als Ismail auf einer Insel, unsichtbar für Reisende, in die er sich verliebt; die Insel zerfällt. Er führt Tagebuch, entwirft einen Roman um den Prinzen Aigan, der wie Ödipus belastet ist und anders als jener plötzlich fort ist. Dann ist Voyl selbst fort. Der Freund Amaury Conson – der Konsonant zum fehlenden Vokal – durchsucht die Wohnung, findet Manuskripte und den letzten Satz des Tagebuchs, der zum Zoo und zum Anwalt Hassan Ibn Abbou weist. Die Polizei glaubt ihm nicht; vom Quai d'Orsay kommt Ottaviani. Olga, die eine Affäre mit Voyl hatte, schließt sich an. Hassan wird in seiner Villa erstochen, bevor er aussagen kann; der Sarg auf der Beerdigung ist leer.
Was folgt, ist eine Jagd durch Paris und durch Pastiches der Weltliteratur, alle unter demselben Verbot: Stücke nach Melville, Thomas Mann, Rimbaud, Bioy Casares. Nacheinander sterben die Verwandten und Bekannten Voyls, oft gewaltsam, oft beim Versuch, das Unaussprechliche auszusprechen. Der Roman hat nominell sechsundzwanzig Kapitel; das fünfte fehlt, so wie auf Voyls Regal der Band fünf fehlt und im französischen Alphabet das e der fünfte Buchstabe ist. Inspektor Aloysius Swann ermittelt und gerät selbst in die Lücke. Wer das Tabu bricht, verschwindet. Die Handlung gibt sich als Kolportage und Rachegeschichte, aber jede Wendung gehorcht der abwesenden Type.
Am Ende bleibt die Regel als Täter sichtbar. Perec sagt im Nachsatz, immer noch ohne e, er habe einen Prototyp gebaut, der sich vom moralischen und psychologischen Roman löse und in die Reihe von Gargantua, Tristram Shandy und Locus Solus trete. Die deutsche Übersetzung musste Fakten ändern, weil das Deutsche andere Wörter ohne e besitzt: aus Albanien wurde Ungarn, eine Fachärztin ersetzte den Arzt, Mallarmé wurde zu Mallamus. Helmlé nannte die Regel beim Schreiben ein Korsett, beim Übersetzen eine Zwangsjacke. Trotzdem liest sich der deutsche Text nicht als Verzicht, sondern als andere Sprache: gespannt, komisch, unheimlich genau dort, wo das Gewöhnliche ein e verlangt hätte und keines kommt.
Einordnung
Das Lipogramm ist älter als Perec; erst er hat daraus einen Roman von dieser Länge gemacht und die Lücke in die Fabel gelegt. Voyl ist der Vokal, Conson der Mitlaut, das fehlende Kapitel der fehlende Buchstabe: Die Form erzählt, was die Figuren suchen. Zugleich ist die Absenz autobiographisch lesbar, ohne dass der Text die Lager nennt. Perecs Mutter wurde deportiert und für tot erklärt; die französische Verwaltung sprach von disparition. Der Roman enthält weder Ghetto noch Rampe, und gerade deshalb hat man in der amputierten Sprache die Signatur der Leere gelesen. Die Deutung trägt, wenn man sie nicht zur einzigen macht: Perec hat auch die Künstlichkeit von Literatur ausgestellt, die Wahrnehmung, die an der Sprache endet, und die Allmacht einer Regel, die tötet, wer sie ausspricht.
Die Übersetzungen – Gilbert Adairs englisches A Void, das spanische El secuestro ohne a – haben jeweils den häufigsten Buchstaben ihrer Sprache geopfert und die Handlung mitverschoben. Diaphanes hat Helmlés Fassung wieder zugänglich gemacht, nach Zweitausendeins und Rowohlt. Wer Perec nur als Autor von Listen und Räumen kennt, findet hier den Erzähler, der die Leerstelle zur Figur macht. Neben dem späteren Das Leben Gebrauchsanweisung ist Anton Voyls Fortgang das Buch, in dem die Werkstattregel am unerbittlichsten Erzählung geworden ist: nicht Schmuck, sondern Täter.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
