Anterastai
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Anterastai |
| Autor(en): | Platon |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Wissenschaftliche Buchgesellschaft |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 48 Seiten |
| Originaltitel: | Ἀντερασταί |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 3534179188 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783534179183 |
| Schlagwörter: | Philosophie, Bildung, Maß, Rivalität |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Die Anterastai (altgriechisch „Die Nebenbuhler“, auch Erastai, „Die Liebhaber“, lateinisch Amatores) sind ein kurzer Dialog über den Begriff und den Zweck der Philosophie, der in der Antike unter dem Namen Platons umlief. Die moderne Forschung hält das Stück aus stilistischen und sachlichen Gründen überwiegend für unecht; ein unbekannter Autor der Akademie hat den Ton der frühen Dialoge nachgeahmt. Sokrates erzählt selbst, wie er in der Grammatikschule des Dionysios zwei junge Männer in ein Gespräch zieht, die um denselben Knaben werben. Der eine pflegt den Leib, der andere die Musenkünste; aus der erotischen Rivalität wird eine Prüfung, was Philosophie sei. Der Dialog zählt zu den sogenannten ethischen Schriften der vierten Tetralogie.
Inhalt
Das Buch schreibt gegen eine Philosophie, die sich als Vielwisserei und Bildungsschmuck versteht. Sokrates trifft zwei Knaben, die über Himmelskunde des Anaxagoras oder des Oinopides Diagramme zeichnen, und daneben die namenlosen Nebenbuhler. Der Leibesfreund spottet über astronomisches Geschwätz; der Bildungsfreund erklärt, ein Verächter der Philosophie sei kaum noch ein Mensch, und beruft sich auf Solons Wort, er altere, indem er stets hinzulerne. Philosophie wäre demnach möglichst umfassendes Wissen, und zwar solches, das einem freien Mann Ruhm einträgt, nicht handwerkliche Fertigkeit. Sokrates lässt diese Bestimmung nicht gelten. Bevor man die Philosophie preist oder verachtet, müsse man wissen, was sie ist. Der Bildungsfreund, der vor dem geliebten Knaben glänzen will, gerät in die Defensive.
Die Behauptung des Dialogs entfaltet sich an Vergleichen mit Gymnastik und Ernährung. Wie dort das Übermaß schadet, so schadet auch unmäßiges Lernen. Wer auf vielen Gebieten dilettiert, bleibt jedem Fachmann unterlegen: im Krankheitsfall ruft man den Arzt, nicht den Vielwisser. Der Philosoph soll sich also nicht mit den Meistern der einzelnen Künste messen, sondern das betreiben, was sein eigenes Fach ist. Das ist das Streben nach Besonnenheit und Gerechtigkeit. Besonnenheit hängt an Selbsterkenntnis und Menschenkenntnis; Gerechtigkeit zeigt sich in der Verwaltung des Hauses, in der Rechtspflege und in der Lenkung der Stadt. Hier darf der Philosoph nicht zweitklassig sein. Die Knaben hören zu, ohne einzugreifen; die Debatte ist zugleich eine Bewährungsprobe erotischer Klugheit. Der Leibesfreund schweigt lange und tritt am Ende auf die Seite des Sokrates, obwohl er nichts zur Klärung beigetragen hat.
Am Schluss muss der Bildungsfreund beschämt zugeben, dass seine Denkweise verfehlt war. Auch die Knaben stimmen Sokrates zu. Das Stück folgt damit einem aus den echten Dialogen bekannten Verlauf: der anfangs Selbstsichere sieht die Fundierung seiner Meinung zerfallen. Unsicher bleibt, wen der Autor treffen will. Falls der Dialog erst in frühhellenistischer Zeit entstand, liest sich die Polemik gegen die Wissensanhäufung als Angriff auf das enzyklopädische Bildungsideal des Aristoteles. Andere hören die Nähe zu Charmides und Lysis: dieselbe Mischung aus Eros, Schule und Begriffsarbeit, nur ohne die gedankliche Dichte der echten Stücke. Die Identifikation des Gesprächspartners mit Demokrit, die der Mittelplatoniker Thrasyllos erwog, bleibt eine antike Vermutung.
Einordnung
In der Antike galt der Dialog meist als platonisch. Diogenes Laertios zählt ihn zu den ethischen Schriften und überliefert den Alternativtitel „Über die Philosophie“. Marsilio Ficino übersetzte ihn 1484 ins Lateinische; die Aldine von 1513 druckte den griechischen Text. Zweifel an der Echtheit formulierte August Boeckh 1806; seither hat sich die Unechtheit weitgehend durchgesetzt, ohne einhellig zu sein. Julia Annas hat das Stück für ein frühes Werk Platons gehalten. Holger Thesleff dachte an einen internen Akademietext zu Platons Lebzeiten; Joachim Dalfen an Schülerarbeiten. Datierungen reichen von der späten Älteren Akademie bis in die Zeit des Arkesilaos. Der Verfasser bleibt unbekannt.
Neben Laches und Gorgias gehört der Dialog in die Reihe der sokratischen Prüfungen, die eine Tugend vom Schein der Bildung trennen. Wer ihn als Platon liest, überschätzt die Autorität der Überlieferung; wer ihn als bloße Fälschung abtut, verfehlt, dass die Akademie den Streit um den Zweck der Philosophie intern geführt hat. Die Pointe bleibt nüchtern: Philosophie ist nicht der Vorrat an Kenntnissen, sondern die Zuständigkeit für Maß und Gerechtigkeit, in Haus und Stadt. In Der Staat wird daraus die Lehre vom Philosophenkönig; hier ist sie noch eine Demütigung des Bildungsstolzes vor einem schweigenden Rivalen und einem zuhörenden Knaben.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
