Annales ecclesiastici
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Annales ecclesiastici |
| Autor(en): | Cesare Baronio |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Herder |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1588 |
| Seitenanzahl: | 800 Seiten |
| Originaltitel: | Annales ecclesiastici a Christo nato ad annum 1198 |
| Originalsprache: | lateinisch |
| ISBN-10: | |
| ISBN-13/
EAN-Code: | |
| Schlagwörter: | Kirchengeschichte, Papsttum, Gegenreformation, Annalen |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Rezensionen | |
Die Annales ecclesiastici a Christo nato ad annum 1198, Kirchliche Annalen von Christi Geburt bis zum Jahr 1198, sind das monumentale Geschichtswerk des Oratorianers und späteren Kardinals Cesare Baronio. Der erste Band erschien 1588, die Reihe wurde bis 1607 fortgeführt. Baronio schrieb gegen die protestantischen Magdeburger Centurien, die seit 1559 die Kirchengeschichte als Beweis einer urkirchlichen, später verdorbenen Lehre lasen. Er wollte umgekehrt zeigen, dass die katholische Kirche seiner Gegenwart in ungebrochener Folge seit den Aposteln stehe. Hubert Jedin hat darin den Anfang der katholischen Kirchengeschichtsschreibung im sechzehnten Jahrhundert gesehen.
Inhalt
Baronio schreibt gegen die papstkritischen Kommentare der Centurien und gegen die Behauptung, die Geschichte belege die protestantische Lehre. Seit dem Konzil von Trient hatte es im Umkreis der Correctores Romani ähnliche Anläufe gegeben; Baronio arbeitete vermutlich ab 1577, gestützt auf Guglielmo Sirleto und die Bestände der Biblioteca Apostolica. Ob Philipp Neri die Anregung gab, ist unsicher; 1579 war die Arbeit im Gang. Die Form der Annalen, Jahr um Jahr, tritt der Jahrhunderteinteilung der Centurien entgegen. Jeder Jahrgang soll Urkunden, Viten und Konzilsakten so ordnen, dass die römische Kontinuität sichtbar wird. Die Tendenz ist apologetisch, die Methode quellenhungrig.
Die Behauptung entfaltet sich an der Masse ungedruckter Stücke aus der Vatikanischen Bibliothek. Baronio zieht Dokumente heran, deren Echtheit Protestanten bestritten, oft zu Recht; anderes galt um 1600 noch als echt, etwa Schriften gegen Photios im neunten Band. Er weicht heiklen Fragen aus oder übergeht Quellen, thematisiert aber häufiger die Echtheit, als es bloße Kontroverstheologen taten. Die Konstantinische Schenkung erklärt er für gefälscht und verteidigt gleichwohl die päpstlichen Vorrechte, die der Fälschung hatte stützen sollen: auf die Echtheit komme es dafür nicht an. Die pseudoisidorischen Papstbriefe hält er gegen die Centurien für echt. So entsteht, in Mario Turchettis Formel, eine Verbindung von Quellenkritik im Einzelnen und apologetischer Zweckbestimmung im Großen. Der Oratorianer Odorico Rinaldi führte die Reihe später von 1198 bis 1565 weiter.
Unsicher wird das Werk, wo die Gegenwart der Gegenreformation auf die Spätantike fällt. Paolo Sarpi warf Baronio vor, die Verhältnisse seiner Kirche in die alten Jahrhunderte zurückprojiziert zu haben. Die Annalen entscheiden Streitfragen oft durch Häufung statt durch eine offene Güterabwägung. Baronio weiß, dass Fälschungen existieren, und rettet dennoch das Papsttum, wo die Urkunde bricht. Der Ton ist der des gelehrten Annalisten: Jahrzahlen, Zitate, polemische Einschübe gegen die Magdeburger. Die Grenze des Unternehmens ist die der Konfessionsgeschichte: sie macht aus dem Archiv eine Waffe und hinterlässt doch ein Archiv, das die Gegner benutzen mussten.
Einordnung
Die Annales wurden das katholische Gegenstück zu den Centurien und prägten die Kirchengeschichtsschreibung bis weit ins achtzehnte Jahrhundert. Augustin Theiner hat sie im neunzehnten Jahrhundert neu herausgegeben und bis in seine Zeit fortgeführt. Nachbarschaft haben sie zum älteren Liber Pontificalis, den sie an Umfang und gelehrtem Apparat überbieten, und zur späteren kritischen Hagiographie, die Baronios Glaubwürdigkeit Stück für Stück prüfte. Jedin würdigte den Anfang einer katholischen Historiographie; neuere Arbeiten von Filip Malesevic und Friederike Hoyer haben Kurienzeremoniell, Byzanzbild und Quellenpolitik schärfer konturiert.
Das Missverständnis liegt darin, hier nur Propaganda oder nur Quellenerschließung zu sehen. Geblieben ist die Doppelgestalt: ohne Baronio fehlt der katholischen Geschichtsschreibung ihr erstes Großwerk, und ohne die Centurien wäre dieses Großwerk nicht geschrieben worden. Wer über Reformation, Papsttum und die Echtheit heiliger Urkunden spricht, spricht noch in diesem Streit, auch wo er beide Seiten verwirft.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.