Andorra

Max Frisch · 1961 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Andorra
Autor(en): Max Frisch
Originaltitel: Andorra
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1961
Schlagwörter: Vorurteil, Jude, Schuld, Lehrstück
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: edition suhrkamp
Umfang dieser Ausgabe: 96 Seiten
ISBN: 9783518368237
Verweise


Andorra ist das Schauspiel von Max Frisch, 1961 in Zürich uraufgeführt und bei Suhrkamp gedruckt. Ein Land namens Andorra, das nicht das wirkliche ist, macht aus einem Jungen den Juden, den es braucht, und mordet ihn, wenn die Schwarzen kommen. Frisch hat das Vorurteil als soziale Maschine geschrieben, nicht als Irrtum einzelner Bösewichte.

Inhalt

Andri gilt als Jude, weil der Lehrer Can ihn so ausgegeben hat: ein gerettetes Kind, ein Alibi der Menschlichkeit. Die Andorraner behandeln ihn, wie man „den Juden“ behandelt – Schuster, Soldat, Wirt, der Doktor mit seiner Wissenschaft vom Wesen. Andri nimmt das Bild an, weil niemand ihm ein anderes lässt, und liebt Barblin, die Tochter Cans. Die Weißgerberin, der Pater, die Mutter: jeder hat einen Satz, der das Vorurteil nährt oder fromm verpackt.

Die Schwarzen, das Nachbarvolk, fallen ein. Sie suchen Juden. Can gesteht, Andri sei sein leiblicher Sohn, kein Jude. Es hilft nicht. Die Bilder haben ihn schon gemacht; die Invasoren brauchen das Opfer, die Andorraner brauchen ihre Unschuld. Andri wird abgeführt und getötet. Ein Judenschauer prüft die Füße. Barblin tüncht die Wände weiß, wahnsinnig vor Schuld, die das Dorf nicht übernimmt.

Zwischenszenen: die Andorraner treten vor den Vorhang und rechtfertigen sich, jeder für sich, als wäre Gericht. Frisch gibt ihnen keine Katharsis. Das Stück ist lehrhaft und kalt, mit der Gefahr des Lehrstücks, dass man die Moral schon kennt und die Szenen nur noch abnickt. Dagegen steht Andris Versuch, jemand zu sein, bevor das Wort Jude ihn zuschließt – und das Scheitern dieses Versuchs an einer Gesellschaft, die das Wort braucht.

Einordnung

Frisch hat nach Stiller und Homo faber das öffentliche Stück über die Schweiz als Mitläuferschaft geschrieben, ohne die Schweiz beim Namen zu nennen. Andorra ist überall, wo ein Bild einen Menschen ersetzt. Die deutsche Bühne der sechziger Jahre hat das Stück viel gespielt; später wirkte es schulisch, weil Vorurteil als Thema in Lehrpläne wanderte. Der Text ist schärfer als die Schuldeutung: Er zeigt, dass Gutwill – Cans Rettungslüge – dasselbe Bild speist. Suhrkamp hält die gängige Ausgabe. Wer Frisch nur als Romanautor der Technik und der Identität kennt, trifft hier den Dramatiker, der das Ich von außen zuschließen lässt. Nach Andorra spricht man über den Sündenbock nicht mehr als Natur, sondern als Bedarf.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.