An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung |
| Autor(en): | Martin Luther |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1520 |
| Seitenanzahl: | 175 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3150189470 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150189474 |
| Schlagwörter: | Priestertum, Konzil, Papst, Reform |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Theologie |
| Rezensionen | |
An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung ist die im August 1520 in Wittenberg erschienene Reformationsschrift von Martin Luther. Sie gehört in das Jahr der großen Reformationsschriften, neben der Freiheitsschrift und der babylonischen Gefangenschaft der Kirche. Innerhalb weniger Wochen verfasst, in viertausend Exemplaren vergriffen, dann in fünfzehn deutschen Auflagen nachgedruckt, bricht sie eindeutig mit Rom: Luther nennt den Papst den Antichrist und formuliert das Priestertum aller Getauften. Adel, Kaiser, Magistrate und in letzter Folge alle Christen werden aufgefordert, die Kirche zu bessern, weil die Kurie sich gegen Reformen eingemauert habe. Der Ton ist der eines Hofnarren, der Missstände nennen darf, und doch der eines Mannes, der den Ketzerprozess schon vor sich sieht.
Inhalt
Luther schreibt gegen drei Mauern, die die Romanisten – Papst, Bischöfe, Pfaffen, Mönche und Gelehrte – um sich gezogen hätten. Die erste Mauer behauptet, der geistliche Stand stehe über dem weltlichen; sie fällt durch den Satz, dass die Taufe alle zu Priestern weihe. Die zweite Mauer behält dem Papst die Schriftauslegung vor; auch sie fällt, weil alle Getauften die Bibel auslegen können. Die dritte Mauer erlaubt nur dem Papst, ein Konzil zu berufen; Luther erinnert daran, dass Nicäa vom Kaiser einberufen wurde, und gibt der weltlichen Obrigkeit das Recht, ein Konzil zu fordern. Das Bild spielt auf Jericho an: Posaunen gegen Mauern. Luther spricht als Mönch und Doktor, der wie ein Hofnarr Missstände nennen darf.
Die Agenda für ein künftiges Konzil und siebenundzwanzig Reformartikel machen aus der Lehre ein Programm. Annaten sollen fallen, fremde Pfründenjäger weichen, Bischöfe von Nachbarn bestätigt werden, weltliche Rechtsfälle nicht mehr in Rom enden. Der Papst soll kein Lehnsherr über Kaiser und Königreiche sein, sich nicht die Füße küssen lassen, Wallfahrten, Ablass, Pflichtzölibat der Pfarrer, Interdikt und die Dominanz des Aristoteles an den Universitäten sollen enden oder scharf begrenzt werden. Jede Stadt soll ihre Armen versorgen und fremde Bettler abweisen. Ketzer seien durch Argumente zu überwinden, nicht durch Verbrennen; das gebrochene Geleit von Jan Hus lastet Luther der Kurie an. Die Konstantinische Schenkung brandmarkt er als Lüge, nachdem er Lorenzo Vallas Nachweis in der Ausgabe Ulrich von Huttens gelesen hatte.
Die Schrift ist flüchtig, sprachlich kraftvoll und in sich gespannt. Einerseits ist der Papst der Antichrist, andererseits bleibt ein Papstamt denkbar, wenn der Inhaber vor allem betete. Luther unterschlägt im Kanon Si papa die Häresieklausel, die den Papst absetzbar machte, und liest den Text als Blankoscheck der Immunität. Thomas Murner, Johannes Eck und Hieronymus Emser antworteten rasch: das Priestertum aller Getauften hebe die Ständeordnung auf und zerstöre die Kirche, statt sie zu reformieren. Johannes Lang nannte das Buch eine Kriegstrompete. Die Breitenwirkung blieb kurz, weil der Ketzerprozess und die folgenden Schriften das Interesse weitertrieben.
Einordnung
Zusammen mit Von der Freiheit eines Christenmenschen und der Schrift von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche gehört die Adelsschrift zu den reformatorischen Hauptstücken des Jahres 1520, auch wenn Luther selbst diese Dreiheit nicht so gebündelt hat. Sie macht aus der Rechtfertigungslehre eine Kirchen- und Reichsreform und nimmt den Laien die Scheu, in geistliche Privilegien einzugreifen. Die späteren Landeskirchen haben den Adel durch den Fürsten ersetzt; der frühe Text redet noch den Stand an, nicht schon den Territorialherrn. Die Gravamina der deutschen Nation, seit dem fünfzehnten Jahrhundert vorgetragen, erhalten hier eine theologische Spitze, die Rom nicht mehr als missbräuchliche Verwaltung, sondern als Mauer gegen das Evangelium fasst.
Neben der protestantischen Ethik Max Webers, die die Berufsaskese vor allem am Calvinismus festmacht, zeigt die Adelsschrift, wie früh Luther Weltliches und Geistliches neu verteilt: nicht als Trennung der Gewalten im modernen Sinn, sondern als Ermächtigung der Getauften. Die Obrigkeit wird in die Pflicht genommen, ohne dass aus dem Christen schon der Untertan des späteren Fürstenstaats würde. Wer das Priestertum aller Gläubigen nur als fromme Formel nimmt, verfehlt die politische Sprengkraft von 1520. Wer es als bloßen Antiklerikalismus nimmt, verfehlt die Taufe als Grund.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
