Alltagsrassismus

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Alltagsrassismus
Autor(en): Philomena Essed
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag:
Serie:
Erscheinungsjahr: 1984
Seitenanzahl: 280 Seiten
Originaltitel: Alledaags racisme
Originalsprache: niederländisch
ISBN-10: 9063281196
ISBN-13/

EAN-Code:

9789063281193
Schlagwörter: Rassismus, Alltag, Frauen, Niederlande
Sachgebiete: Sachbuch, Anthropologie
Rezensionen
Umschlag

Alltagsrassismus ist die 1984 bei der Feministischen Uitgeverij Sara in Amsterdam erschienene Untersuchung der Anthropologin Philomena Essed über Rassismus in den Niederlanden. Der Originaltitel Alledaags racisme setzt den Begriff, den die deutsche Fachsprache als Alltagsrassismus aufgenommen hat; eine deutsche Buchausgabe des Bandes selbst fehlt. Essed befragte surinamische Frauen in den Niederlanden und schwarze Frauen in kalifornischen Städten nach Erfahrungen in Arbeit, Wohnung, Geschäft, Nachbarschaft und Verkehr. 1990 promovierte sie in Amsterdam mit Auszeichnung über Understanding Everyday Racism; die niederländische Handelsausgabe Inzicht in alledaags racisme vertiefte die Theorie. Das Buch machte den Alltagsbegriff in der europäischen Rassismusforschung heimisch.

Inhalt

Essed schreibt gegen das Selbstbild eines toleranten Landes und gegen die Annahme, Rassismus sei vor allem bewusste Feindseligkeit oder ein Problem der Betroffenen. Bewusst oder unbewusst, gewollt oder nicht, profitiere jeder Weiße in der niederländischen Gesellschaft direkt oder indirekt von einer privilegierten Lage gegenüber schwarzen Mitbürgern. Weil das Phänomen oft unbewusst bleibe, sei Aufklärung über Minderheiten der falsche Weg; zuerst müsse Rassismus in der eigenen Kultur untersucht werden. Die Konzentration auf Frauen folgte ihrem Feminismus: Weiße Feministinnen erkannten Diskriminierung wieder und konnten sich nicht vorstellen, selbst rassistisch zu sein. Die Einsicht, Opfer und Unterdrückerin zugleich sein zu können, erzeugte Rivalität darüber, wer am erbärmlichsten sei. Prinzessin Irene sagte bei der Entgegennahme des ersten Exemplars, Rassismus sei nicht zuerst ein Problem der Schwarzen, sondern der Weißen.

Die Behauptung entfaltet sich an Berichten: ältere Menschen, die von einer schwarzen Krankenschwester nicht gepflegt werden wollen; das Übergehen in der Warteschlange; das Verfolgen im Laden aus Angst vor Diebstahl; die voreilige Bedienung, damit die Schwarze schnell wieder geht. Amerikanische Befragte hatten früh gelernt, Diskriminierung als Rassismus zu bezeichnen; surinamische neigten dazu, die Ursache bei sich zu suchen. Essed unterscheidet kulturelle, institutionelle und individuelle Ebenen. Für den niederländischen Fall nannte sie später drei Züge: dauernde Verleugnung, das Verstecken hinter Unschuld, der Groll über den drohenden Verlust von Privilegien. Schwarze Forscherinnen, die Rassismus zum Thema machten, trafen an der Universität auf Misstrauen, die Qualität der Arbeit stehe unter Druck.

Unsicher wird das Buch, wo subjektive Erfahrung zur Theorie der ganzen Gesellschaft wird. Die Soziologin Emma Brunt warf Essed vor, sie zeichne Eindrücke auf, wo andere Rassismus objektiv bestimmt hätten, und opfere die Logik der Militanz. Hans Moll im NRC tadelte vage Begriffe, fehlerhafte Begründung und nicht tragfähige Schlüsse und beklagte eine Monopolisierung des Themas. Die Kritik traf vor allem die theoretische Vertiefung von 1991, die auf demselben Interviewmaterial beruht. Essed beharrt darauf, dass Alltagswissen der Betroffenen eine Quelle ist, keine bloße Stimmung. Die Gegenposition ist jede Forschung, die Rassismus nur an Absicht, Gesetz oder Gewalttat misst und das diffuse Muster der Wiederholung nicht gelten lässt.

Einordnung

Das Buch gehört zu den Gründungstexten der europäischen Alltagsrassismusforschung und hat den Begriff über die Niederlande hinaus in die deutsche Debatte getragen, oft über die englische Dissertation und über Esseds spätere Arbeiten. Es steht in der Nachbarschaft feministischer und antirassistischer Theorie, die Herrschaft in der Interaktion sucht, nicht nur in der Ideologie. Eine Neuausgabe von 2018 fügte ein Kapitel über Rassismus hinzu, der sich auf Meinungsfreiheit beruft. Die fehlende deutsche Übersetzung des Ursprungstextes hat die Rezeption auf Umwege verwiesen.

Das Missverständnis ist, hier eine Anklage aller Weißen oder eine bloße Sammlung von Kränkungen zu lesen. Essed beschreibt ein wiederkehrendes Muster, das Nutzen und Demütigung im Gewöhnlichen verknüpft. Geblieben ist die Zumutung, Toleranz als Selbstbild zu prüfen, nicht als Beweis. Wer nach 1984 über Alltagsrassismus, Verleugnung und die Perspektive schwarzer Frauen spricht, spricht in der Spur dieses Bandes, auch wenn er die Methode bestreitet.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.