Agnes

Peter Stamm · 1998 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Agnes
Autor(en): Peter Stamm
Originaltitel: Agnes
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1998
Schlagwörter: Liebe, Erfindung, Chicago, Kälte
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 153 Seiten
ISBN: 9783596179121
Verweise


Agnes ist der erste Roman von Peter Stamm, 1998 bei Arche in Zürich erschienen, später bei Fischer. Ein namenloser Ich-Erzähler, Sachbuchautor aus der Schweiz, trifft in Chicago die Physikerin Agnes und schreibt auf ihren Wunsch eine Geschichte über sie, die das gemeinsame Leben einzuholen und zu ersetzen beginnt. Der erste Satz sagt das Ende: Agnes sei tot, eine Geschichte habe sie getötet. Stamm erzählt lakonisch, in kurzen Kapiteln, ohne psychologisches Auswalzen, und lässt offen, ob der Schluss wörtlich zu nehmen ist. Der schmale Band wurde Schullektüre und 2016 verfilmt. Die Kälte der Sätze ist das Thema, nicht die Verzierung.

Inhalt

Der Erzähler recherchiert in Chicago über Luxuseisenbahnwagen, als er in der Public Library Agnes bemerkt, jünger als er, an einer Dissertation über Kristalle. Sie reden, gehen ins Museum, werden ein Paar. Er hatte einmal Romane schreiben wollen; sie zeigt ihm eine kurze Prosa, die er so scharf kritisiert, dass sie die Datei löscht. Agnes schlägt vor, er solle eine Geschichte über sie schreiben. Zuerst hält er sich an die Vergangenheit und die bisherigen Wochen, dann erfindet er voraus, was sie tun werden. Agnes liest und folgt, erst spielerisch, dann ernst: Sie trägt, was er ihr anzieht, geht, wohin er sie schickt, und merkt, dass die Freiheit, die sie fürchtet zu verlieren, schon in der Einwilligung liegt.

Die Erfindung und das Leben geraten durcheinander. Als Agnes sagt, sie sei schwanger, reagiert er schroff und verlässt die Wohnung. Sie zieht aus. Er trifft Louise, eine Bekannte, und denkt doch unablässig an Agnes und ein Kind, das er in der Geschichte schon besitzt. Agnes erleidet eine Fehlgeburt, kehrt zurück, und beide spinnen das ungeborene Kind in der Fiktion weiter, bis sie Babysachen kauft. Sie ist krank vor Trauer und vor dem Zwang, die Geschichte wahr zu machen. Am Silvesterabend geht er zu Louise, schläft mit ihr, kommt betrunken heim. Agnes ist fort.

Auf dem Rechner liegt das Ende, das er geschrieben und ihr nicht zeigen wollte: Agnes geht in die Kälte, legt sich in den Schnee, erfriert. Ob sie das getan hat oder nur den Text gelesen und die Stadt verlassen hat, bleibt unentschieden. Der Erzähler sucht, findet sie nicht und behält die Geschichte, die er für eine Rettung hielt. Chicago im Winter, die leere Ebene, die Bibliothek und die Züge geben dem Buch seine Geometrie: Trennung als Reise, Nähe als Entwurf, der den anderen ersetzt. Stamm lässt den Erzähler nicht zum Mörder werden und nicht zum Unschuldigen. Er hat geschrieben, und das Schreiben hat gehandelt.

Einordnung

Stamm hat mit Agnes eine Schweizer Nüchternheit nach Chicago verlegt, die an Robert Walser und an die kühle Prosa der neunziger Jahre erinnert, ohne deren Markengerede. Das Buch ist ein Pygmalion ohne Rettung: Der Mann formt die Frau in Sätzen und wundert sich, dass sie darin verschwindet. Die Physik der Kristalle – Symmetrie, die das Leben nicht erklärt – liegt als Gegenstimme unter der Liebe. Gegenüber den bekennerischen Beziehungsromanen der Zeit bleibt Stamm bei Aussparung: Kein Name für den Erzähler, wenige Schauplätze, ein Satz, der weh tut, weil er zu genau ist. Die Schullektüre hat das Buch oft auf die Frage reduziert, ob Agnes tot sei; Stamm hat die Eindeutigkeit verweigert.

Die Verfilmung von 2016 gibt dem Erzähler den Namen Walter und muss zeigen, was der Text verschweigt. Das ändert die Temperatur. In der deutschsprachigen Gegenwartsprosa steht Agnes am Anfang eines Werks, das später Höfe, Archive und das Gleichmaß der Tage untersucht, immer mit der Angst, der andere sei nur eine Figur. Wer über Liebe und Erfindung nach 1998 spricht, trifft in diesem Band die Falle, dass Erzählen keine Unschuld hat. Der Schnee am Ende ist literarisch beladen, von Walser bis Kafka; Stamm setzt ihn trotzdem hin, als wäre er nur Wetter.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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