Ab urbe condita
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Ab urbe condita |
| Autor(en): | Titus Livius |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 1099 Seiten |
| Originaltitel: | Ab urbe condita libri |
| Originalsprache: | lateinisch |
| ISBN-10: | 3150188717 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150188712 |
| Schlagwörter: | Rom, Republik, Tugend, Annalen |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Rezensionen | |
Ab urbe condita – „von der Gründung der Stadt an“ – ist das Geschichtswerk des Titus Livius, geschrieben unter Augustus in mehr als vierzig Jahren. Ursprünglich 142 Bücher, vielleicht auf 150 bis zum Tod des Augustus geplant, erzählten die Ankunft trojanischer Flüchtlinge in Italien, die Königszeit, die Republik und die Zeitgeschichte bis zum Tod des Drusus 9 vor Christus. Erhalten sind die Bücher 1 bis 10 und 21 bis 45, der Rest in Inhaltsangaben, Auszügen und Bruchstücken. Für die Frühzeit Roms bleibt Livius die wichtigste erzählende Quelle, auch wo er Sage und Beispiel über die urkundliche Prüfung stellt.
Inhalt
Livius schreibt gegen das Vergessen der Sitten, durch die Rom groß geworden sei. Die Vorrede fordert den Leser auf, auf Leben und Charakter zu achten, auf die Männer und Eigenschaften, die Herrschaft zu Hause und im Krieg geschaffen haben. Das ist keine kritische Quellenkunde im neuzeitlichen Sinn, sondern exempla: lehrhafte Fälle wahrer Männer. Die Erzählung folgt dem Jahr: Amtsantritt, Vorzeichen, Kriege, Triumph, Wahl. Fünf Bücher schließen sich zu Abschnitten, fünfzehn zu größeren Bögen. Buch eins führt von Aeneas über Romulus und Remus, den Raub der Sabinerinnen und die sieben Könige zur Vertreibung des Tarquinius Superbus. Es folgen Freiheit und Ständekampf, Volkstribunat, Zwölftafelgesetz, Camillus, der Galliersturm und die Gänse der Juno. Die dritte Dekade gilt dem Krieg gegen Hannibal; die vierte und fünfte den makedonischen und östlichen Kriegen bis 167 vor Christus.
Die Kunst liegt in der Szene. Livius teilt große Vorgänge in aufeinanderfolgende Bilder, spart den Naturalismus des Grauens und malt seelische Folgen. Er lässt Gruppen urteilen, damit ein Ereignis von mehreren Seiten erscheint. Reden sind komponiert, nicht mitgeschrieben. Der Zweikampf des Manlius Torquatus, Cannae, Ciceros Tod im verlorenen 120. Buch, den Seneca der Ältere bewahrt hat: immer geht es um Haltung in der Gefahr. Hauptquellen sind jüngere Annalisten, für den Osten Polybios, den Livius streckenweise dicht führt, ohne ihn sklavisch zu kopieren. Wo Vorlagen differieren, nennt er sie oft, ohne zu entscheiden. Doppelungen, geographische Irrtümer und Missverständnisse militärischer Einzelheiten hat die Forschung notiert. Glaubwürdigkeit hängt an der jeweiligen Vorlage; Valerius Antias und Claudius Quadrigarius gelten als parteilich und zahlenfroh.
Der Ton ist klassische Prosa, klar, wechselnd zwischen Kürze und Breite. Livius war kein Amtsträger, hatte keinen unmittelbaren Zugang zu Archiven und Priesterbüchern. Unsicher wird das Werk, wo Charakterpsychologie das 5. Jahrhundert vor Christus mit der Gegenwart des Augustus kurzschließt: ähnliche Menschen tun Ähnliches, also darf der Historiker vom Bekannten aufs Frühe schließen. Die Moral ist der Zweck der Erzählung, nicht ihre Verzierung; die Kriegszüge tragen Beispiele. Die verlorene Zeitgeschichte hätte den Autor als Zeitgenossen gezeigt; das erhaltene Viertel macht ihn zum Erzähler der Vorzeit und der Punischen Kriege. Augustus erscheint als Freund, nicht als Gegenstand schonungsloser Analyse.
Einordnung
Keine römische Geschichte hat das Bild der Republik so lange bestimmt: Lucretia, Cincinnatus, Hannibal in den Alpen, die Rede vor der Schlacht. Dante, Machiavelli, die Malerei der Neuzeit und der Schulunterricht haben Livius’ Szenen übernommen. Die Humanisten restituerten den Text aus der nicomachischen Überlieferung der ersten Dekade und aus spätantiken Codices der dritten bis fünften. Theodor Mommsen und die Altertumswissenschaft des 19. Jahrhunderts haben die Quellenscheidung vorangetrieben und zugleich die rhetorische Freiheit betont. Nachbarschaft hat das Werk zur Annalistik, zu Polybios’ pragmatischer Geschichte und zu Platons Satz, Geschichte zeige Charaktere – näher an Der Staat als an der urkundlichen Methode. Für die frühe und mittlere Republik bleibt es unverzichtbar, für die Spätzeit ein Schatten aus periochae.
Das Missverständnis liegt darin, Livius als modernen Historiker zu lesen, der Archive prüft, oder als bloßen Augusteischen Propagandisten. Er will die bona exempla sichtbar machen, in einer Gegenwart, die er für sittlich gefährdet hält, ohne den Princeps offen anzugreifen. Die Lücken nach Buch 45 haben das Bild einseitig gemacht: Wir besitzen den Moralisten der Frühzeit, nicht den Schilderer der Bürgerkriege in voller Länge. Geblieben ist die annalistische Atmung des römischen Jahres – und die Einsicht, dass eine Stadt ihre Größe an den Geschichten misst, die sie über ihre Toten erzählt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
