2666

Roberto Bolaño · 2004 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: 2666
Autor(en): Roberto Bolaño
Originaltitel: 2666
Originalsprache: spanisch
Erstveröffentlichung: 2004
Schlagwörter: Sonora, Morde, Literaturwissenschaft, Archimboldi
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Hanser


Umfang dieser Ausgabe: 1111 Seiten
ISBN: 9783446208285
Verweise


2666 ist der 2004 postum erschienene Roman von Roberto Bolaño, fünf Teile in einem Band, zusammengehalten von der Wüstenstadt Santa Teresa im Norden Mexikos, in der Frauen ermordet werden, ohne dass die Toten aufhören. Ein deutscher Schriftsteller namens Benno von Archimboldi, vier Literaturwissenschaftler, die ihn suchen, ein Professor, ein Polizist, ein Journalist: Die Fäden laufen nach Sonora, und Sonora gibt sie nicht zurück. Heinrich von Berenbergs deutsche Übersetzung erschien 2006 bei Hanser. Bolaño, der das Manuskript vor dem Tod noch gliedern ließ, hat dem einundzwanzigsten Jahrhundert das Epos der ungesühnten Gewalt gegeben – und der literarischen Suche, die danebenherläuft, als wäre ein Autor wichtiger als dreihundert Tote.

Inhalt

Der erste Teil folgt den Germanisten Pelletier, Espinoza, Norton und Morini, die Archimboldi lesen, einander begehren und nach Santa Teresa fahren, weil der Verschollene dort gesehen worden sein soll. Sie finden Kongresse, Eifersucht, einen Professor für Philosophie, der seine Tochter schützt, und die Gerüchte der Morde. Archimboldi bleibt aus. Der zweite Teil bleibt bei diesem Professor Amalfitano, der mit der Tochter Rosa in der Stadt strandet, ein Geometriebuch an die Wäscheleine hängt und den Wahnsinn als genaue Wahrnehmung der Lage betreibt. Santa Teresa ist das erfundene Ciudad Juárez: Maquiladoras, Grenze, Wüste, die Nacht, in der Frauen von der Schicht nicht heimkehren.

Der dritte Teil schickt den schwarzen Journalisten Oscar Fate aus New York zu einem Boxkampf und lässt ihn Rosa Amalfitano begegnen; die Stadt zeigt ihm, was ein Bericht nicht fassen kann. Der vierte Teil, der längste, ist das Protokoll der Frauenmorde: Namen, Fundorte, Verletzungen, Akten, die ins Leere laufen, Polizisten, die ermüden oder mitverdienen, ein Deutscher, der inhaftiert wird und vielleicht nicht der Täter ist. Bolaño schreibt das als Serie, bis die Wiederholung selbst zur Aussage wird. Es gibt keinen Detektiv, der auflöst. Es gibt die Menge der Toten und die Sprache der Behörde, die daraus Fälle macht.

Der fünfte Teil holt Archimboldi nach, von der ostpreußischen Kindheit Hans Reiters über den Zweiten Weltkrieg, die Schreibexistenz in Europa, die Preise, das Verschwinden. Am Ende reist der greise Schriftsteller nach Santa Teresa, weil ein Verwandter dort sitzt. Die Zahl im Titel wird nicht erklärt. Sie steht als Horizont, als Jahr, als Chiffre einer Zukunft, in der die Toten noch ungezählt sind. Bolaño hat die fünf Bücher so angelegt, dass jedes allein lesbar wäre; zusammen sind sie ein Atlas der Gewalt und der Literatur, die von ihr lebt, ohne sie zu sühnen. Wer nur die Morde sucht, findet das Protokoll. Wer nur Archimboldi sucht, findet einen Mann, der durch den Krieg gegangen ist und Bücher geschrieben hat, während anderswo die Akten wachsen.

Einordnung

2666 hat die lateinamerikanische Großform nach der Hochkonjunktur der sechziger Jahre neu begründet: nicht Macondo, sondern die Grenze, nicht das Wunder, sondern die Akte. Neben Mario Vargas Llosas Diktatorenroman und Carlos Fuentes' Sterbebett steht Bolaño als der Erzähler, der die Gegenwart der Frauenmorde von Ciudad Juárez in die Weltliteratur gezwungen hat, ohne sie zu allegorisieren. Die Germanisten wirken zunächst wie eine Satire auf den Betrieb; sie sind die Probe, ob Lesen noch etwas gilt, wenn die Wüste die Körper stapelt. Wer das Buch nur als Monument der Schwierigkeit rühmt, hat den vierten Teil nicht ausgehalten. Wer es nur als Kriminalchronik nimmt, hat Archimboldi nicht gebraucht – und Bolaño hat ihn trotzdem gebraucht, weil die Literatur in diesem Roman die andere Sucht ist, nicht die Lösung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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