1979

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: 1979
Autor(en): Christian Kracht
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Serie:
Erscheinungsjahr: 2001
Seitenanzahl: 192 Seiten
Originaltitel: 1979
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3462030248
ISBN-13/

EAN-Code:

9783462030242
Schlagwörter: Teheran, Revolution, Lager, Ästhet
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

1979 ist der 2001 bei Kiepenheuer und Witsch erschienene zweite Roman von Christian Kracht, sechs Jahre nach Faserland. Ein namenloser deutscher Innenarchitekt reist mit dem kranken Exfreund Christopher im Jahr der iranischen Revolution nach Teheran, überlebt ihn nicht lange und endet in einem chinesischen Lager in der Wüste. Kracht hat das Buch als mittleren Teil eines Dreierbildes bezeichnet, zwischen der bundesdeutschen Markenreise und dem späteren Alternativweltkrieg. Der Ton ist trocken, höflich, ungerührt; Panzer stehen an den Kreuzungen, die beiden sprechen über Herrensandalen und Sofakissen. Die gebundene Erstausgabe gestaltete Peter Saville, bekannt von Plattenhüllen aus Manchester. Gewidmet ist der Band dem toten Musikjournalisten Olaf Dante Marx.

Inhalt

Der Erzähler und Christopher kommen in einen Iran, in dem der Schah wankt und die Anhänger Ajatollah Chomeinis die Straßen nehmen. Sie hören Devo und Blondie, logieren gut, sehen die Unruhe und wenden sich von ihr ab, sobald ein Kissenbezug interessanter ist. Christopher, gebildet, zynisch, körperlich zerstört, treibt den Rausch auf die Spitze und stirbt. Der Erzähler bleibt zurück, nicht klüger, nur allein. Ein geheimnisvoller Rumäne redet ihm zu, den heiligen Berg Kailash in Tibet zu umrunden – eine geistliche Übung, die hier keine Erleuchtung wird. Die Reise nach Osten, bei Hesse noch Bund und Morgenland, ist bei Kracht der Weg in die nächste Gewalt.

Chinesische Soldaten greifen den Erzähler als vermeintlichen russischen Spion auf. Er gerät ins Straflager von Lop Nor, in die salzige Wüste, unter ein Regime, das die Revolution von 1949 noch als Alltag an den Häftling hängt. Der Ästhet, der in Teheran Stoffe und Musik wog, zählt nun Schläge, Hunger, die Regeln der Brigade. Kracht lässt ihn nicht zum heimlichen Helden werden und nicht zum reuigen Bekenner; die Wahrnehmung bleibt an Oberflächen geklebt, auch wo die Oberfläche eine Lagerwand ist. Aus dem dekadenten Betrachter wird, in einer bitteren Wendung, ein Mann, der die Lehre des Lagers spricht, als hätte die Selbstfindung ins Fanatische geführt.

Der Roman endet im Alltag der Zwangsarbeit, ohne Befreiung, ohne Rückkehr nach Deutschland, ohne dass der Erzähler die Revolutionen, durch die er geschleift wurde, in einen Sinn fasste. 1979 im Iran, 1949 als chinesischer Schatten: Der Leser muss verbinden, was die Stimme nicht verbindet. Huber hat den Ästheten beschrieben, der Gefühle nur über das Zeichensystem der schönen Dinge erreichen kann; im Lager reicht dieses System nicht, und trotzdem erzählt er weiter in diesem Ton. Es gibt kein Entkommen, kündigte der Verlag an. Das Buch hält das Versprechen, indem es die Tür nicht öffnet.

Einordnung

Hubert Spiegel erklärte schon bei diesem zweiten Roman die leichte Gegenwartsprosa der neunziger Jahre für beendet, die man Kracht nach Faserland angehängt hatte. 1979 ist das Buch, in dem Marken und Nachtlokale nicht mehr reichen, weil die Geschichte den Erzähler einsperrt. Vergleiche mit Siddhartha oder Coelhos Wüstenweisheit gehen ins Leere: Die Reise zur Selbstfindung wird ad absurdum geführt. Matthias Hartmann brachte eine Bühnenfassung an deutschsprachige Häuser, bis ins Burgtheater. Die dtv-Ausgabe zeigte ein Bild Odd Nerdrums; das Hörbuch las Kracht selbst.

Wer nach 2001 über den Geck in der Revolution spricht, spricht hinter diesem Innenarchitekten, der Polsterstoffe wählt, während Staaten kippen, und im Lager denselben Satzbau behält. Neben Faserland ist 1979 das härtere Stück des Dreiecks, kürzer, kälter, ohne Zürichsee. Die Zivilisation endet nicht in einem großen Wort, sondern in der Fortsetzung des Alltags unter anderen Aufsehern. Der Erzähler bleibt höflich. Das ist die Unmenschlichkeit, nicht ihre Abschaffung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.