Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern
| Daten zum Buch | |
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| Deutscher Titel: | Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern |
| Autor(en): | Friedrich Schleiermacher |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Meiner |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1799 |
| Seitenanzahl: | 215 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3787301577 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783787301577 |
| Schlagwörter: | Anschauung, Gefühl, Universum, Kirche |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Theologie |
| Rezensionen | |
Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern ist die 1799 anonym in Berlin erschienene Erstlingsschrift von Friedrich Schleiermacher. Fünf Reden an ein gebildetes Publikum, das die Religion für Furcht und Jenseitsrechnung hält, bestimmen sie neu als Anschauung und Gefühl des Universums. Das Buch gilt als religionsphilosophisches Werk der Frühromantik und als Programmschrift des neueren Protestantismus. Schleiermacher, Prediger an der Charité und Freund Friedrich Schlegels, fürchtete die Zensur und setzte seinen Namen erst 1803 darunter.
Inhalt
Schleiermacher schreibt gegen die Aufklärer, die Religion auf Moral und Gottesbeweis reduzieren, und gegen die Orthodoxie, die sie an Lehrsätze und Staatskirche bindet. Religion ist weder Denken noch Handeln, sondern Anschauung und Gefühl: Sinn und Geschmack fürs Unendliche. Metaphysik erklärt, Moral gebietet; die Religion schaut das Universum an, das sich im Endlichen zeigt. Spekulation über einen persönlichen Gott nennt er leere Mythologie, wo sie das Anschauen ersetzen will. Man kann nichts aus Religion tun, aber alles mit ihr. Die Furcht vor einem ewigen Wesen und die Rechnung auf eine andere Welt, die den Gebildeten zuwider sind, erklärt er für einen Schleier, nicht für den Kern.
Die zweite Rede trägt die Formel, die das Buch berühmt gemacht hat: alles Einzelne als Teil des Ganzen, alles Beschränkte als Darstellung des Unendlichen hinzunehmen, das sei Religion. Wunder sind überall, wenn man so wahrnimmt. Das Universum offenbart sich in der Natur, stärker noch in den Naturgesetzen und vor allem in der Menschheit, die der Mensch nur in der Liebe findet, und die Geschichte ist der höchste Gegenstand der Religion. Die dritte Rede bestreitet, dass man Religion unterrichten könne wie eine Fertigkeit; die Anlage ist angeboren, die aufgeklärte Erziehung treibt sie aus, indem sie das stille Beschauen für Faulheit hält. Die vierte Rede unterscheidet die wahre Kirche, in der jeder abwechselnd Priester und Laie ist, von den Großkirchen, in denen Suchende tote Begriffe empfangen, und fordert deshalb die Trennung von Kirche und Staat. Die fünfte Rede begründet die Mehrzahl der Religionen damit, dass niemand das Unendliche ganz hat und jede positive Religion eine Mitte besitzt; dem Christentum weist Schleiermacher gleichwohl den Vorrang zu, weil es die Versöhnung selbst anschaut.
Spätere Auflagen haben das Buch unsicherer und kirchlicher gemacht. 1806 und 1821 milderte Schleiermacher die Nähe zu Baruch de Spinoza, ersetzte Anschauung oft durch Gefühl und fügte Erläuterungen zur Glaubenslehre hinzu. Schon die Urfassung schwankt, ob das Universum Gott, Welt oder beides meint. Der Schluss, das Judentum beruhe auf Rache, das Christentum auf Versöhnung, bleibt die schwächste Stelle: er opfert die eigene Lehre von der Gleichberechtigung der Anschauungen einer Rangordnung. Die Freunde der Romantik lobten das Herz, die Aufklärer tadelten die Unbestimmtheit, Predigerkollegen witterten Heuchelei. Novalis nannte Schleiermacher den Herzschlag der neuen Zeit; andere hörten Pantheismus aus dem Mund eines Geistlichen.
Einordnung
Die Reden haben den Protestantismus des neunzehnten Jahrhunderts umgestellt: von der äußeren Wahrheit der Schrift auf die innere Wahrheit des Gefühls. Rudolf Otto hat sie 1899 neu herausgegeben und das Kreaturgefühl an Schleiermachers schlechthinnige Abhängigkeit angeschlossen. Ludwig Feuerbach las in Das Wesen des Christentums die Wendung zur Anthropologie weiter, bis Gott zur Projektion des Menschen wurde. Karl Barth hat Schleiermacher als Kirchenvater des neunzehnten Jahrhunderts anerkannt und als Gegenbild bekämpft: der Mensch werde zum Maß, Gott zum Gefühl.
Neben Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft, die der Metaphysik eine Grenze zieht, öffnen die Reden der Religion einen eigenen Bezirk, ohne sie als Moralbeweis zu retten. Die Wirkung in der Theologie ist ungebrochen, in der Philosophie geringer. Wer Religion nur als Irrtum oder nur als Kirche denkt, spricht an diesem Buch vorbei. Wer sie als Anschauung des Unendlichen im Endlichen denkt, spricht hinter Schleiermacher, auch dann, wenn er Gott nicht mehr Universum nennt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
