Ökonomische Theorie der Demokratie
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Ökonomische Theorie der Demokratie |
| Autor(en): | Anthony Downs |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Mohr Siebeck |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1957 |
| Seitenanzahl: | 317 Seiten |
| Originaltitel: | An Economic Theory of Democracy |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 3161461711 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783161461712 |
| Schlagwörter: | Wahl, Partei, Nutzen, Ungewissheit |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Rezensionen | |
An Economic Theory of Democracy, deutsch Ökonomische Theorie der Demokratie, ist die 1957 bei Harper erschienene Dissertation von Anthony Downs, 1968 in der Übersetzung und Herausgabe Rudolf Wildenmanns bei Mohr in Tübingen. Downs überträgt wirtschaftliche Prämissen auf das Verhältnis von Parteien und Wählern: beide handeln vernünftig und streben nach einem Nutzeneinkommen. Das Buch gilt als Grundlage der Lehre von der vernünftigen Wahl in der Wahlforschung und als Klassiker der politischen Theorie. Es erklärt bekannte Tatsachen – die Mitte, die geringe Beteiligung, das geringe Sachinteresse – aus wenigen Annahmen. Die Härte der Annahmen ist der Preis der Klarheit.
Inhalt
Downs schreibt gegen die Vorstellung, Parteien seien an Programme gebunden und Wähler an Überzeugungen, die sich nicht rechnen. Gestützt auf Max Weber und Joseph Schumpeters Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie betrachtet er Parteien als Anbieter, Wähler als Nachfrager. Wähler wählen die Alternative, von der sie die Verwirklichung ihrer Ziele erwarten, vorwiegend wirtschaftlicher und politischer Art. Das Nutzeneinkommen der Parteien sind die Vorteile öffentlicher Ämter; das Gewinnen der Wahl ist der einzige Zweck, Programme sind Mittel. Ungewissheit zwingt die Wähler, sich an der Parteiideologie zu orientieren, einer Abbildung der Lagen auf einer Links-Rechts-Linie, die Informationskosten spart. Parteien stellen sich dort auf der Linie auf, wo die Stimmenzahl am größten ist. Im Zweiparteiensystem folgt die Annäherung an die Mitte.
Die Behauptung entfaltet sich an Information und Beteiligung. Weil eine einzelne Stimme den Ausgang fast nie entscheidet, lohnt es sich nicht, teure Information über Sachfragen zu beschaffen: der Wähler ist in diesem Sinn ein vernünftiger Ignorant. Dass Menschen trotzdem wählen, erklärt Downs nur, wenn die Stimmabgabe selbst einen Wert hat, etwa als Beitrag zum Erhalt der Demokratie. Interessengruppen und Ideologien liefern verdichtete Information. Verhältniswahl und Mehrparteiensysteme machen das Kalkül unlösbar; das Zweiparteiensystem mit programmatischer Nähe wird zum privilegierten Fall. Downs formuliert überprüfbare Sätze und will damit Theorie sein, nicht Schilderung. Die Sparsamkeit der Axiome – Eigennutz, Vernunft, Nutzenmaximierung – trägt die Last der Erklärung.
Unsicher wird das Modell, wo Kernwähler, Kandidatenbilder, Parteiidentifikation und soziale Lagen das reine Nutzenkalkül durchkreuzen. Kritiker warfen vor, die ganze Wählerschaft steuere die Partei, während Geldgeber in der Mitgliedschaft sie festlegen könnten. Jürgen Habermas hat eingewandt, streng vernünftig handelnde Akteure hätten keine hinreichenden Gründe, die demokratischen Spielregeln einzuhalten. Das Gesamtmodell aus Wählern, Parteien, Regierung und Wahlrecht gilt als zu starke Vereinfachung. Gegenposition sind das Ann-Arbor-Modell der Parteiidentifikation und die mikrosoziologische Tradition Paul Felix Lazarsfelds. Downs hat die Vereinfachung gewählt, um Folgerungen ableiten zu können. Was die Folgerungen nicht erreichen, ist nicht widerlegt, nur ausgespart: Loyalität, Hass, Pflicht, die sich nicht als Einkommen buchen lassen.
Einordnung
Das Buch ist eine der drei Hauptströmungen der empirischen Wahlforschung geworden, neben Campbells The American Voter und Lazarsfelds The People’s Choice. Seine Bedeutung liegt in der theoretischen Ableitung dessen, was man schon zu wissen meinte: Mittelkurs, niedrige Beteiligung, geringes Wissen. Joachim Behnke und Manfred G. Schmidt haben es als Schlüsselwerk der Politikwissenschaft dargestellt. Wer Schumpeters Elitendemokratie in Marktform weiterdenkt, kommt zu Downs; wer Bürger als Vernunftwesen im öffentlichen Gebrauch der Vernunft denkt, geht zu Habermas. Die deutsche Ausgabe in der Reihe „Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften“ hat den Text in die westdeutsche Politikwissenschaft der sechziger Jahre eingeschleust.
Das Missverständnis wäre, hier eine Beschreibung wirklicher Motive oder eine Rechtfertigung der Gleichgültigkeit zu suchen. Es ist ein Modell: wenn Eigennutz und Vernunft, dann diese Folgen. Die Folgen treffen oft genug zu, um das Modell lebendig zu halten, und oft genug nicht, um es zu begrenzen. Downs hat die Demokratie als Markt denkbar gemacht, ohne sie zum Krämerladen zu erklären; der Markt ist die Analogie, nicht das Ideal. Ob Analogien die Bürger erniedrigen oder die Forschung ernüchtern, bleibt Geschmack und Methode. Die Theorie der vernünftigen Wahl hat Kinder bekommen, die ihren Vater selten noch lesen. Der Vater ist knapper als die Kinder. Darin liegt, warum man zu ihm zurückgeht.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
