Autor:Hans Peter Duerr
Hans Peter Duerr (geb. 1943), in Mannheim geboren, hat der deutschen Ethnologie die Wildnis als Wissen zurückgegeben, das die Zivilisation hinter sich zu haben glaubt. Traumzeit behauptet, archaische Kulturen hätten die Grenze zwischen Wildnis und Ordnung überschritten und seien zurückgekehrt – während die Moderne die Tür zumauert.
Leben
Mannheim, Heidelberg, die Lehre in Zürich, Kassel, Bern, später die Professur für Ethnologie und Kulturgeschichte in Bremen: Der Umweg war nicht die große Expedition, sondern die Bibliothek, in der Duerr Hexen, Schamanen und den Zivilisationsprozess gegeneinander las. 1978 der Syndikat-Band, 1985 Suhrkamp. Danach die vielbändige Abrechnung mit Elias. Er lebt in Mannheim und Heidelberg.
Wirkung
Duerr hat Elias' Lehre vom wachsenden Selbstzwang umgedreht: Nicht der Wilde lebt grenzenlos, sondern der Zivilisierte, der keine Passage mehr kennt. Hexensabbat, Rausch, Maske werden bei ihm zu Techniken, nicht zu Resten. Das hat die Gegenkultur der siebziger Jahre elektrisiert und die Zunft verärgert, weil die Belege Epochen und Erdteile mischen. Der Apparat ist das zweite Buch; wer ihn überschlägt, behält nur die Stimmung.
Kanonisiert als Kultbuch, fortgesetzt als Gelehrtenkrieg gegen den Zivilisationsprozess. Wer Duerr nur als Romantiker der Wildnis führt, unterschlägt die Fußnoten. Wer ihn nur als Elias-Gegner führt, unterschlägt, dass Traumzeit zuerst eine Theorie der Schwelle ist, nicht eine Streitschrift. Die Esoterik hat ihn vereinnahmt, die Ethnologie hat ihn oft aus dem Seminar gedrängt und die Frage behalten. Gelesen wird der Band, wo Moderne als Verarmung der Grenze erscheint, nicht als ihr Ende.
Werke
- Traumzeit (1978)
In Auswahl außerdem: Sedna oder Die Liebe zum Leben, Der Mythos vom Zivilisationsprozess, Ni Dieu – ni Mètre.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.